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Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene

Abkürzung: WIE

Wie der WIE 2006 den HAWIE-R abgelöst hat, so hat die WAIS-IV seit 2012 auch den WIE wieder abgelöst. Damit ist auch der hier beschriebene Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (WIE) inzwischen veraltet. Der Dokumentationstext bleibt nur aus historischen Gründen und für wissenschaftliche Vergleichszwecke stehen. Ob sich die Normen von WIE und WAIS-IV unterscheiden (sprich: ob Probanden in dem einem Verfahren systematisch andere Subtestwertpunkte und IQs erhalten als in dem anderen), wissen wir nicht. Äquivalenztabellen wie beim Wechsel von HAWIE-R auf WIE gibt es nicht.

Der Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (WIE) ist die deutsche Ausgabe der Wechsler Adult Intelligence Scale III (WAIS-III). Die WAIS III erschien 1997 in USA,1) der WIE 2006.2) David Wechsler, ein amerikanischer Psychologe, konstruierte Ende der 30er Jahre mit der Wechsler-Bellevue-Scale3) die erste Intelligenzbatterie dieser Serie, die vor allem für klinische Zwecke gedacht war. WAIS-III und WIE gehören zur vierten Generation der Wechsler-Intelligenztestreihe.

Das aktuelle Testhandbuch zum WIE enthält nur das zur Durchführung und Auswertung notwendige Material. Historische Hintergrundinformationen zu den Wechsler-Tests findet man in dem klassischen Handbuch von Matarazzo4). Neuere anwendungsbezogene Literatur zur klinischen Interpretation der WAIS-III (und damit ihrem Pendant WIE) gibt es derzeit nur auf Englisch.5) 6)

Mit ihrer Sammlung von 11 Subtests boten schon die Vorgänger HAWIE und HAWIE-R einen guten Überblick über die Struktur kognitiver Leistungen, speziell auch bei kognitiv beeinträchtigten Patienten. Beim WIE wurde die Zusammensetzung der Subtests erstmals stärker verändert, um den Bedürfnissen neuropsychologischer Untersuchungen besser Rechnung zu tragen. Die 14 Subtests des WIE erlauben neben der üblichen Aufgliederung der Testleistungen in einen Verbal- und Handlungsteil eine Aufgliederung nach neuropsychologischen Gesichtspunkten, die den Anschluss an die modernere, neuropsychologisch geprägte Forschung hinsichtlich der Struktur kognitiver Leistungen herstellt. Tabelle 1 gibt eine Übersicht über die Subtests, ihre Zuordnung zu kognitiven Domänen, die im deutschen Handbuch übliche Abkürzung, den Rangplatz bei der Testdurchführung und den möglichen Rohwertebereich.

Tabelle 1: Subtests des WIE

Domäne Subtest Abkürzung Abfolge Rohwertbereich
Sprachliches Verständnis: Wortschatztest WT 2 0-66
Gemeinsamkeitenfinden GF 4 0-33
Allgemeines Wissen AW 9 0-28
Arbeitsgedächtnis: Rechnerisches Denken RD 6 0-22
Zahlennachsprechen ZN 8 0-30
Buchstaben-Zahlen-Folgen BZF 13 0-21
Wahrnehmungsorganisation: Bilderergänzen BE 1 0-25
Mosaiktest MT 5 0-68
Matrizentest MAT 7 0-26
Arbeitsgeschwindigkeit: Zahlen-Symbol-Test ZS 3 0-133
Symbolsuche SS 12 0-60
ohne Domänenzuordnung: Allgemeines Veständnis AV 11 0-35
Figurenlegen FL 14 0-52
Bilderordnen BO 10 0-22


Neu sind nur die Subtests BZF, MAT und SS, aber auch alle anderen sind im Vergleich zum HAWIE-R verändert, teilweise erheblich.

Problematisch sind zwei der Domänenbezeichnungen. „Sprachliches Verständnis“ ist zu eingeschränkt, wenn zum Domänenbereich auch der Untertest Gemeinsamkeitenfinden gehört, der eine aktive Oberbegriffproduktion verlangt, etwas, was mit „Verständnis“ unzureichend abgedeckt ist. In TDB2Online und im Befundbericht der TDB2Online-App wird der einerseits neutralere, andererseits aber umfassendere Begriff „Sprachliche Fähigkeiten“ verwendet. Die zweite unpassende Bezeichnung ist „Wahrnehmungsorganisation“ für eine kognitive Domäne, die vor allem etwas mit aktivem, handelndem Problemlösen zu tun hat. Wir konkretisieren das in TDB2Online mit dem Begriff „Visuelles Problemlösen“. Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass die Begriffswahl nicht auf die Herausgeber der deutschen Version zurückgeht, sondern auf die Herausgeber der englischen Originalversion.

Für die Durchführung des WIE benötigt man den kompletten Testsatz, der neben dem Handbuch und einer Erstaustattung an Protokollbögen und Aufgabenheften auch das Testmaterial für die praktischen Subtests enthält. Dazu zählen zum Beispiel die Vorlagen für den neuen Matrizentest oder die Bausteine für den Mosaiktest. Dieses Testmaterial hält für viele Testungen, allerdings auch nicht ewig. Vorlagen, die häufig in die Hand genommen werden, muss man von Zeit zu Zeit austauschen. Als Verbrauchsmaterial fallen laufend nur die Protokollbögen und die speziellen Aufgabenhefte für bestimmte Subtests an.

Das Testmaterial für die Wechsler Tests ist meist nur so lange erhältlich, bis eine neue Generation der Tests erschien. Dies ist inzwischen der Fall. Seit 2012 liegt der Nachfolger des WIE, die Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition (WAIS-IV)7), auf Deutsch vor. Das Testmaterial zum WIE ist vergriffen.

Das Handbuch enthält leider viele Druckfehler, teilweise auch Flüchtigkeiten in den Tabellen oder Zahlen. Sie sind unseres Wissens nie von Autoren- oder Verlagsseite korrigiert worden.

Der WIE ist durch Copyright geschützt, Inhaber der Rechte ist Pearson Assessment, in Deutschland vertreten durch die Pearson Assessment & Information GmbH in Frankfurt/Main. Die Anwendung wird zusätzlich kontrolliert und das Material nur an bestimmte Berufsgruppen ausgeliefert.

Die Copyright-Geschichte der Wechsler-Tests ist nicht uninteressant. Wechslers Tests wurden lange bei der Psychological Corporation publiziert, einer Organisation, die 1921 von James McKeen Cattell als Publikationsplattform für angewandte psychologische Projekte gegründet wurde. 1942 vermachte McKeen Cattell den größten Teil seiner persönlichen Anteile an der Psychological Corporation einer Stiftung, die bis heute angewandte psychologische Forschung unterstützt.

Die Psychological Corporation wurde 1970 von Harcourt Brace Jovanovic gekauft und später mit Harcourts eigenem Testverlag verschmolzen. Nach mehreren internen Namenswechseln wurde Harcourt Assessment 2001 von Reed Elsevier, 2007 von Pearson Education übernommen, wo es heute zu Pearson's Assessment & Information Group gehört.8)

Die Rechte für die deutschen Versionen der Wechsler-Tests lagen vor 2011 beim Verlag Huber in Bern.

Alle Intelligenztestbatterien von Wechsler sind Individualtests. Das Testmaterial ist vielseitig und hilft durch seinen Abwechslungsreichtum dabei, die meist eher mäßige Motivation von Testpersonen in klinischen Untersuchungsumgebungen aufrechtzuhalten. Dazu trägt auch die individuelle Durchführung mit nur einem Patienten bei.

Die Durchführung ist im Testhandbuch gut und ausführlich beschrieben. Sie ist beim WIE schwieriger als bei vielen anderen Leistungstests und muss gelernt und geübt werden. Die verbalen Tests werden zum Beispiel frei beantwortet. Das ist gut für den Probanden, bedeutet aber für die Testleiter/innen, dass die Antwort mit Beispielantworten im Handbuch verglichen und bewertet werden muss. Dabei muss man auch wissen, in welchen Fällen man nachfragen muss. Es reicht nicht, wenn man später liest, dass man bei einer bestimmten Antwort hätte nachfragen müssen, um zu einer klaren Bewertung zu kommen. Bei vielen Subtests gibt es Sprungregeln, mit denen man vertraut sein muss.

Die Durchführung des kompletten WIE, also aller 13 Untertests, die für die Bestimmung der Teil-IQs und der Indexwerte nötig sind (ohne Figurenlegen) dauert bei psychiatrischen Patienten meistens rund 2 Stunden. Dazu kommt die Auswertungszeit, die stark von der Erfahrung der Testleiterin abhängt.

Die 14 Subtests des WIE liefern Rohwerte von sehr unterschiedlicher Herkunft:

  • Anzahl richtiger Lösungen: MAT, AW, BZF,
  • Anzahl richtiger Lösungen innerhalb einer bestimmten Zeit: BE, ZS
  • Summe von Punkten für die Güte einer Lösung (0, 1 oder 2 Punkte pro Item): WT, GF, ZN, AV
  • Summe von Punkten für die Güte einer Lösung (0, 1 oder 2 Punkte pro Item) innerhalb einer bestimmten Zeit pro Item: BO
  • Komplexe Bewertung nach Richtigkeit und Schnelligkeit der Lösung: MT, RD, FL
  • Anzahl richtiger minus Anzahl falscher Lösungen innerhalb einer bestimmten Zeit: SS

Insbesondere die komplexen Bewertungen nach Güte und Zeit sind bei anderen Tests kaum zu finden. Theoretisch haben sie den Nachteil, dass die Rohpunktverteilungen der so bewerteten Subtests – vor allem im unteren Bereich – an manchen Stellen gar nicht besetzt sind und an anderen stark springen. Bei der Konstruktion der Verfahren wurde versucht, diesen prinzipiellen Nachteil durch die Wahl relativ hoher Punktzahlen zu kompensieren. Außerdem werden wir sehen, dass die Berechnungsverfahren für die Rohwerte im Hinblick auf ihre Verteilungsform klug gewählt wurde (s.u.).

Der Rohwertbereich schwankt von Subtest zu Subtest ziemlich stark. Im Subtest Buchstaben-Zahlen-Folgen kann er zwischen 0 und 21 liegen, im Zahlen-Symbol-Test zwischen 0 und 133.

Wegen der unterschiedlichen Rohwertbereiche und wegen der Abweichungen der Rohwertverteilungen von einer Normalverteilung wurden die Rohwerte schon seit der ersten Generation der Wechsler'schen Intelligenztests an Hand von Tabellen in sogenannte Wertpunkte umgewandelt. Wertpunkte sind bei Wechsler Standardwerte mit dem Mittelwert 10 und der Standardabweichunge 3. Die Umwandlung geschah immer über eine Flächentransformation, die zugleich zu einer Normalisierung der Verteilung führte. Allerdings ist die genaue Definition der Wertpunkte in den verschiedenen Versionen der Wechsler-Tests trotzdem unterschiedlich:

  • Bei der WAIS (Wechsler Adult Intelligence Scale) und deren Vorgängern im englischen Sprachbereich und dementsprechend beim HAWIE im deutschen Sprachbereich waren die Wertpunkte so skaliert, dass sich in der Gesamtverteilung der Eichstichprobe ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 ergab. Diese Definition ist inhaltlich gesehen nicht glücklich, weil die Subtests ganz unterschiedliche Altersverläufe aufweisen und der Mittelwert 10 bei einigen Subtests eine breite Altersspanne, bei anderen nur eine sehr kleine Spanne wirklich charakterisiert. Erweitert man zum Beispiel den Altersbereich der Normierungsstichprobe, dann ändert sich dadurch die Definition der Wertpunkte, und zwar vor allem bei den Subtests mit einem hohen Altersabbau.
  • Bei der WAIS-R und dementsprechend beim HAWIE-R wurden die Wertpunkte deshalb so skaliert, dass ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 in der Altersklasse der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren erzielt wurde. Damit ließen sich die Wertpunkte inhaltlich enger charakterisieren als typische Leistung für junge gesunde Probanden auf dem lebenszeitlichen Gipfelpunkt der kognitiven Leistungsfähigkeit. Der Altersbereich der Normierungsstichprobe hat darauf dann keinen Einfluss mehr. Altersbedingte Defizite finden sich nach beiden Seiten. Jugendliche um die 16 Jahre erreichen im Durchschnitt zum Beispiel im Wortschatztest nur 8 Wertpunkte. Probanden mit einem Alter von siebzig Jahren erreichen dagegen in manchen Subtests des Handlungsteils nur vier bis sechs Wertpunkte. Hier beeinträchtigt übrigens die beschränkte Spannweite der Wertpunkte die Skalierbarkeit einer schlechten Leistung bei alten Personen.
  • Bei der WAIS-III und dementsprechend beim WIE wurde diese Definition leider nicht weitergeführt. Hier wurden die Wertpunkte statt dessen altersgruppenweise definiert, so dass sich für jede Altersgruppe separat ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 ergibt. (Diese Variante stand beim HAWIE-R auch schon als alternative Auswertung zur Verfügung). Beim WIE wird also jede Altersgruppe anders transformiert und die Wertpunkte verlieren ihre Fähigkeit, tatsächliche Leistungen zu messen, auch solche unterschiedlich alter Personen.

In TDB2Online erfolgt die Darstellung von Testergebnissen in Form von altersunabhängigen Leistungswerten. Für die Berechnung der Leistungswerte wurde bei den Subtests des WIE auf die Wertpunkttransformationen der Altersklassen 20-24 und 25-29 zurückgegriffen. Die Details sind im nächsten Abschnitt erläutert.

Für den WIE gibt es bis heute keine praktisch verwertbaren Normdaten außer den im Handbuch mitgeteilten.

Bei den Subtests des WIE beinhaltet die Umrechnung von Roh- in Wertpunkte eine Linearisierung durch Flächentransformation und eine Transformation in die Wertpunktskala (10;3), und zwar für jede Altersklasse einzeln. Die Tabellen im Handbuch geben diese Umrechnungsdaten nur ganzzahlig wieder, viele Rohwerte belegen den selben Wertpunkt. Durch eine gleitende Mittelwertbildung wurden die harten Stufen dieser Umwandlung zunächst geglättet. Dabei richtete sich die Ordnung der gleitenden Mittelwertsbildung nach der Feinheit der Rohwertskala. An den Enden der Verteilung wurden die Daten extrapoliert, damit man die Transformationsgleichung beibehalten konnte. Anschließend wurde auch eine Angleichung der Daten zwischen den Altersklassen vorgenommen. Dies war zwar laut Handbuch schon bei der Erstellung der Normen durchgeführt worden. In den Daten wurden aber gelegentlich Unstetigkeiten im Altersverlauf beobachtet, die sicher nicht die empirische Wirklichkeit abbilden, sondern Ergebnis der begrenzten Stichprobengröße sind. Sie wurden durch eine Glättung über die Altersgruppen hinweg eliminiert. Hier war eine Glättung dritter Ordnung immer ausreichend. Anschließend wurden die Daten für die beiden Altersgruppen 20-24 und 25-29 gemittelt. Der Mittelwert war die Basis für die Berechnung der Leistungswerte.

Beim Subtest Allgemeines Verständnis kommen in den Umwandlungstabellen von Roh- in Wertpunkte maximal 33 Rohpunkte vor. Tatsächlich lassen sich in diesem Subtest aber 35 Rohpunkte erzielen, nicht nur 33. Hier dürfte ein Fehler bei der Gestaltung der Tabelle vorliegen. Da ein Vierzigjähriger mit 33 Rohpunkten erst 15 Wertpunkte erreicht, muss man annehmen, dass auch in der Eichstichprobe noch Personen mit höherer Leistung auftauchten. Jedenfalls ist noch viel Platz nach oben auf der Wertpunktskala.

Für TDB2Online wurde die Tabelle durch Extrapolation nach oben auf 35 Rohpunkte erweitert. Diese Extrapolation wird möglicherweise den empirischen Daten nicht exakt entsprechen, sie ist aber mit Sicherheit richtiger als der Zustand im Handbuch, wo Leistungen oberhalb von 33 Rohpunkten einfach ignoriert werden. In TDB2Online lassen sich also beim Subtest Allgemeines Verständnis alle vorkommenden Rohwerte auch eingeben.

siehe ausführliche Dokumentation

Eine Linearisierung der Rohwerte wird implizit über die Wertpunkttransformation vorgenommen, und zwar über diejenigen für die Altersgruppen 20-24 und 25-29, die kombiniert für die Berechnung der Leistungswerte verwendet werden.

Wenn mehrere Subtests addiert oder gemittelt und das Ergebnis dieser Aktionen dann als neuer Messwert neu normiert wird, dann entsteht daraus eine neue Metrik, die mit derjenigen der Subtests nicht mehr kompatibel ist. Dieser Sachverhalt ist in der allgemeinen Dokumentation im Abschnitt Mehrfachstandardisierung auf unterschiedlichen Ebenen erläutert und am Beispiel der Intelligenzquotienten des HAWIE-R transparent gemacht worden. Wir haben dort gesehen, dass ein Proband, der in jedem Subtest vier Wertpunkte erreicht, in den Intelligenzquotienten nicht den IQ 70 erhält, den man bei einer vergleichbaren Metrik erwarten würde (zwei Standardabweichungen unterhalb des Mittelwerts seiner Altersgruppe), sondern deutlich niedrigere Werte, die von der Korrelation zwischen den Subtests und der Anzahl der aggregierten Subtests abhängen.

Beim WIE betrifft das nicht nur die drei Intelligenzquotienten, sondern auch die vier Indizes. Alle sieben Maße sind noch einmal gesondert normiert worden und bauen deshalb eine eigene Metrik auf. Wir zeigen den Effekt in Abbildung 6 am Beispiel eines 29-jährigen Probanden, der in jedem Subtest 4 Wertpunkte erzielt hat.

Abbildung 6: WIE-Testprofil eines Probanden mit 4 Wertpunkten in jedem Subtest (siehe Text)

Im TDB2Online-Profil erreicht dieser Proband in jedem Subtest einen Leistungswert von 70 oder ganz in der Nähe von 70, die geringen Abweichungen von der 70er-Linie sind auf die Ganzzahligkeit der Rohwerte zurückzuführen. Da es sich um einen 29-jährigen Probanden handelt, sind die Leistungswerte mit den altersabhängigen Standardwerten (ASW) identisch. Auch die mittleren Leistungswerte in den sieben Domänen (IQs und Indizes) liegen alle bei oder sehr nahe bei 70, was dem Wunsch nach einer einheitlichen Metrik in TDB2Online entspricht.

Die von Hand eingezeichneten roten Kreise geben die Lage der IQ- bzw. Indexwerte wieder, wie sie sich nach den Tabellen des WIE-Handbuchs errechnen. Sie liegen ausnahmslos unterhalb der Subtestwerte, wobei die Korrelation zwischen den aggregierten Subtests und die Anzahl der aggregierten Subtests das Ausmaß der Metrik-Spreizung bestimmen. Beim Index für die Arbeitsgeschwindigkeit, in dem nur zwei Subtests (ZS und SS) zusammengefasst werden, die zudem auch noch mit .68 (Altersgruppe 24-29) korrelieren, ergibt sich ein Index von 68, also kaum niedriger als die beiden Subtestwerte von 70. Beim Gesamt-IQ dagegen, in den 11 Subtests eingehen, die im Durchschnitt mit .54 miteinander korrelieren, wirkt die Spreizung viel kräftiger und ergibt bei mittleren Subtestwerten von 70 nur einen Gesamt-IQ von 60.

Die Veränderung der Metrik ist beim WIE nicht so stark wie beim HAWIE-R, weil die mittlere Interkorrelation der Subtests in der Standardisierungsstichprobe höher ist als beim HAWIE-R.

In TDB2Online werden die getrennt standardisierten Globalmaße nicht weiter berücksichtigt. Statt dessen geben wir schlicht die mittleren Subtests-Leistungswerte bzw. deren altersabhängige Standardwerte an, genau mit der gleichen Metrik wie bei den Subtests.

Die Stichprobe zur Normierung des WIE hat einen beachtlichen Umfang und einen großen Altersbereich. Für alle Altersgruppen einzeln gibt es eine Aufschlüsselung nach Schulbildungsklassen. Diese sind allerdings nicht leicht zu bewerten wegen der unterschiedlichen Bildungssysteme, die in die Normierung einbezogen waren (Schweiz, Österreich, Deutschland, letzteres mit unterschiedlichen Systemen in den 16 Bundesländern), vor allem auch, wenn man die riesige Zeitspanne im Blick hat, in der die Personen der Normstichprobe Schulen besucht haben.

Hinsichtlich anderer Einzelheiten der Normdatenerhebung gibt sich das Handbuch verschlossen. Man erfährt nichts über die Art der Stichprobenziehung, nichts über die Orte und nichts über vereinbarte oder erfüllte Quoten (wenn es die denn gab).

Adaptation und Normierung des Verfahrens wurden zunächst unter der Verantwortung von Uwe Tewes, dem deutschen Herausgeber der Vorläuferversion HAWIE-R9), in Hannover begonnen. Davon zeugen zahlreiche Dissertationen an der Medizinischen Hochschule Hannover, deren Autoren als Mitarbeiter bei der Datenerhebung im WIE-Handbuch erwähnt werden10). Ansonsten fehlt im WIE-Handbuch jeder Hinweis auf die Herausgebereigenschaft von Tewes. Einer dieser Dissertationen 11) lässt sich entnehmen, dass 99 der 1820 Probanden, die unter der Verantwortung von Tewes in Deutschland erhoben wurden, aus den ostdeutschen Ländern stammen, ohne Anspruch auf Repräsentativität. In einer anderen Dissertation 12) wird angemerkt, dass es für die endgültige Publikation des WIE Nacherhebungen von einzelnen Probanden für die Normstichprobe gegeben hat, dann schon unter der Verantwortung der neuen Herausgeber des Verfahrens. Vermutlich sind Verlagsverträge und/oder Vereinbarungen zwischen den ursprünglich von Huber und später von Harcourt beauftragten Herausgebern dafür verantwortlich, dass die Angaben dazu im Handbuch einsilbig sind. Andererseits ist es leider auch schlechte Tradition bei deutschen Testverfahren, dass über die Stichprobenziehung keine großen Worte gemacht werden.

siehe ausführliche Dokumentation

siehe ausführliche Dokumentation


1)
Wechsler, D. (1997). Wechsler Adult Intelligence Scale - Third Edition. San Antonio, TX: The Psychological Corporation
2)
von Aster, M., Neubauer, A., & Horn, R. (2006). Wechsler Intelligenztest für Erwachsene WIE. Manual. Übersetzung und Adaptation der WAIS-III von David Wechsler. Frankfurt/M.: Pearson Assessment & Information GmbH.
3)
Wechsler, D. (1939) The Measurement of Adult Intelligence. Baltimore(MD): Williams & Wilkins
4)
Matarazzo, J. D. (1972). Wechsler's Measurement and Appraisal of Adult Intelligence. (5 ed.) New York: Oxford University Press.
5)
Tulsky, D., Saklofske, D., Chelune, G., Heaton, R. K., Ivnik, R. J., Bornstein, E. R. et al. (2003). Clinical Interpretation of the WAIS-III and WMS-III. New York: Academic Press.
6)
Kaufman, A. S. & Lichtenberger, E. O. (1999). Essentials of WAIS-III Assessment. New York: Wiley.
7)
Petermann, F. (Hrsg.) (2012). Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition. Deutschsprachige Adaptation der WAIS-IV von D. Wechsler. Frankfurt/M.: Pearson Assessment & Information GmbH.
9)
Tewes, U. (Herausgeber und Bearbeiter)(1991), HAWIE-R. Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene, Revision 1991. Bern: Huber
10)
von Aster, M., Neubauer, A., & Horn, R. (Hrsg.) (2006). Wechsler Intelligenztest für Erwachsene WIE. Manual. Übersetzung und Adaptation der WAIS-III von David Wechsler. Frankfurt/M.: Pearson Assessment & Information GmbH, Seite 126
11)
Blöink, R. (2006) Die Struktur der Intelligenz im Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE-III): Ein Beitrag zur Konstruktvalidität. Hamburg: Verlag Dr. Kovac
12)
Roknic, R. (2005) Altersbedingte Veränderungen des geistigen Leistungsvermögens. Zahnmedizinische Dissertation, Medizinische Hochschule Hannover
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  • Zuletzt geändert: 2021/08/04 21:03
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