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Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest d2-R

Abkürzungen: d2-R, Test d2-Revision

Brickenkamp konstruierte Ende der 50er Jahre mit dem Test d2 einen Aufmerksamkeitstest, der seit seiner Erstpublikation 19621) - den d2-R mitgezählt - 10 Auflagen erlebt hat und zu den erfolgreichsten deutschen Testverfahren gehört. Die ersten sieben Auflagen erschienen in Zwei- bis Fünf-Jahres-Abständen ohne Veränderungen des Tests, wohl aber mit Erweiterung des Altersbereichs der Normen und mit erweiterter Literaturübersicht, insbesondere Validierungsdaten. Die achte Auflage (1994)2) brachte mit dem neuen KL-Wert (Konzentrationsleistung) eine weitere und bessere Operationalisierung des Kennwerts für das fehlerkorrigierte Arbeitstempo. Für die neunte Auflage (2002)3) wurden neue Normen erhoben. Die hier dargestellte zehnte Version erschien 2010 unter erweiterter Autorenschaft und mit dem neuen Titel Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest d2-R bzw. Test d2 – Revision.4) Für den d2-R wurde erstmals auch der Testbogen selbst verändert. Zusätzlich gibt es neue Kennwerte für die Auswertung.

In TDB2Online können Testergebnisse ausgewertet werden, die mit der neunten Auflage des d2 oder mit dem d2-R erhoben wurden. Die neunte Auflage des d2 ist derzeit (August 2021) zwar noch in den Testzentralen in Deutschland und der Schweiz erhältlich, für die Erstuntersuchung von Patienten oder Probanden wird aber der verbesserte d2-R empfohlen.

Für die Durchführung des d2-R benötigt man den kompletten Testsatz, der neben einer Erstaustattung an Testbögen, Kurzanleitungen und Auswertungsbögen auch das Handbuch enthält. Die Testbögen enthalten 14 Zeilen mit jeweils 57 Zeichen. Jedes Zeichen besteht aus dem Buchstaben d oder p, über und/oder unter dem 1 bis 4 Striche eingezeichnet sind (maximal 2 oben und 2 unten). Zielzeichen ist ein d mit zwei Strichen. Die zwei Striche können beide oben, beide unten oder je ein Strich oben und unten liegen. Alle anderen Kombinationen von Buchstaben und Strichen sind Distraktoren. Die Aufgabe besteht darin, alle Zielzeichen der Reihe nach mit einem Querstrich zu versehen und dabei möglichst schnell und möglichst sorgfältig zu arbeiten.

Die neuen Testbögen des d2-R sind durchschreibend. Auf der Durchschreibkopie sind die Plätze der richtigen Zeichen markiert, was die Auszählung erleichtert.

Das Material ist urheberrechtlich geschützt und wird zudem nur an bestimmte Berufsgruppen ausgeliefert. Es ist über die Testzentralen in Deutschland oder der Schweiz erhältlich.

Der d2-R kann sowohl einzeln als auch in der Gruppe durchgeführt werden. Die gesamte Durchführung ist im Handbuch sehr gut und sehr ausführlich beschrieben. Es gibt auch eine Kurzanleitung, die dazu dient, die Testinstruktion einheitlich zu gestalten.

Die Durchführung des d2-R als Individualtest dauert mit Instruktion rund 6 Minuten, die Auswertung bis zur Ermittlung der Rohwerte weitere 4 Minuten.

Die erste und die letzte Zeile des Testbogens werden nicht bewertet.

TDB2Online wertet die drei wichtigsten Rohwerte aus, KL (Konzentrationsleistung), BZO (Bearbeitete Zielobjekte) und F% (Fehlerprozent). BZO ist die Anzahl bearbeiteter Zielobjekte, also ein reiner Index für die Schnelligkeit der Bearbeitung. F% quantifiziert die Anzahl der Fehler, bezogen auf die Anzahl bearbeiteter Zielobjekte. F% ist also ein Index für die Genauigkeit der Arbeitsweise. Bei KL handelt es sich um einen komplexen Leistungsindex, bei dem die Anzahl korrekt markierter Zielobjekte berechnet und um die Anzahl der Verwechslungsfehler vermindert wird. Alle drei Kennwerte sind beim d2-R neu und abweichend vom d2 definiert. Es gibt allerdings jeweils eng verwandte Kennwerte im alten d2 (Näheres dazu im Abschnitt Vergleich mit früheren Auflagen).

Die weiteren Kennwerte des Tests, Konzentrationsverlauf und Arbeitsstil, eignen sich nicht für die Abbildung im Profil.

Für den d2-R war eine neue Normuntersuchung notwendig, weil die äußere Form des Testformulars und die Auswertung der Kennwerte im Vergleich zum d2 verändert wurden. Die neuen Handbuchnormen des d2-R beruhen auf Untersuchungen, die zwischen 2007 und 2008 vornehmlich in Berlin, aber auch in fünf weiteren Bundesländern durchgeführt wurden. Es liegen Normwerte in Form von Prozenträngen und Standardwerten (100;10) für die drei Kennwerte F%, BZO und KL vor, zusätzlich auch für den alten GZ-Wert, der im d2 verwendet wurde. Der Normierungsbereich geht von Standardwert 70 bis zu Standardwert 130, also über insgesamt 6 Standardabweichungen. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Altersstufung engmaschig (9–10, 11–12, 13–14, 15–16 und 17–19), bei den Erwachsenen deutlich weiter (20–39, 40–60).

Weitere Daten, die für eine Normierung zu gebrauchen wären, ließen sich nicht finden. Es gibt zwar für den d2-R wie zuvor schon für den d2 sehr umfangreiche Validierungsdaten an den unterschiedlichsten Stichproben. Allerdings ist keine dieser Stichproben auch nur annähernd populationsbezogen. Meistens handelt es sich entweder um studentische Stichproben oder um Berufsbewerber oder um klinische Stichproben. Insofern bleiben als Normquellen nur die im Handbuch selbst mitgeteilten Daten, auch wenn deren Repräsentativität ähnlich unsicher ist (s.u.).

Im Altersbereich, der für TDB2Online interessant ist, wurden für die Normierung 2204 Personen untersucht, nämlich 500 im Altersbereich 15–16 Jahre, 728 im Altersbereich 17–19, 708 im Altersbereich 20–39 und 268 im Altersbereich von 40 bis 60 Jahren. Im Bereich der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen ist die Stichprobe also groß, im älteren Erwachsenenbereich ab 40 Jahren klein. Immerhin dürfte das mit der Verwendung des Tests korrelieren, der im höheren Alter eher selten eingesetzt wird.

Im jungen Erwachsenenbereich, in dem der Einfluss des Alters nicht so groß ist, ist die gewählte Spannbreite von 20 Jahren (20–39) wohl noch akzeptabel, weil hier die Veränderungen im Altersverlauf relativ gering sind. Im höheren Altersbereich von 40 bis 60 Jahren ist sie aber sicher zu weit. Die Gruppe ist mit nur 268 Personen wohl zu klein gewesen, um engere Altersgruppen definieren zu können. Für Personen über 60 Jahren gibt es keine d2-R-Normen mehr.

Zur Repräsentativität der Stichprobe macht das Handbuch keine weiteren Angaben. Wie leider häufig bei deutschen Leistungstests – und wie auch in den früheren Auflagen des d2 – ist nicht erkennbar, dass der Stichprobenziehung irgend ein Quoten- und/oder Zufallsplan zugrunde lag.

siehe ausführliche Testdokumentation

siehe ausführliche Testdokumentation

siehe ausführliche Testdokumentation

Es ist schade, dass es für einen Test, der so häufig eingesetzt wird, keine repräsentative Normbasis gibt. Das war schon bei den letzten beiden Auflagen des d2 so und es ist auch beim d2-R so. Eine fehlende Repräsentativität lässt sich durch hohe Zahlen nicht wettmachen. Immerhin gibt es keine größeren Normdifferenzen zwischen der 9. Auflage des d2, die ja noch häufig eingesetzt wird, und dem d2-R. Die Beschreibung der Normerstellung ist im d2-R noch lückenhafter als in den letzten beiden Auflagen des d2. Man erfährt nicht, was da wie gerechnet wurde.

Sowohl von der Gestaltung als auch von den Normen her ist der d2-R ein Test, der mit Gewinn nur bei jüngeren Personen eingesetzt werden kann. Für ältere sind die zu bearbeitenden Zeichen zu klein, Normen liegen nur bis 60 Jahre, in adäquater Gruppengröße nur bis 40 Jahre vor.

Die relativ geringe Durchführungszeit ist immer ein Pluspunkt. Dies gilt aber auch für andere Aufmerksamkeitstest: Auch der Zahlensymboltest in der WAIS-IV dauert nur zwei Minuten plus 1 Minute Instruktion.


1)
Brickenkamp, R. (1962). Aufmerksamkeits-Belastungs-Test (Test d2). Göttingen: Hogrefe
2)
Brickenkamp, R. (1994). Test d2. Aufmerksamkeits-Belastungs-Test. 8., erweiterte und neu gestaltete Auflage. Göttingen: Hogrefe
3)
Brickenkamp, R. (2002). Test d2. Aufmerksamkeits-Belastungs-Test. 9., überarbeitete und neu normierte Auflage. Göttingen: Hogrefe
4)
Brickenkamp, R., Schmidt-Atzert, L., & Liepmann, D. (2010). Test d2 – Revision. Aufmerksamkeits- und Konzentrationstest. Göttingen: Hogrefe
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