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Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung
Abkürzung: TAP
Hintergrund
Ende der 80er Jahre erstellten Peter Zimmermann und Bruno Fimm in Freiburg die erste Version einer Neuropsychologischen Testbatterie zur Erfassung von Aufmerksamkeitsdefiziten, damals noch für den Commodore C64, einen der ersten am Markt erfolgreichen 8-Bit-Heimcomputer. Sowohl die Reizdarbietung als auch die Auswertung erfolgten mit dem Computer. Neben einfachen Reaktionszeitmessungen (Alertness) zählten Wahlreaktionen (Go/NoGo) und das gleichzeitige Beachten visueller und akustischer Reize (Geteilte Aufmerksamkeit) zu den Subtests. Nachdem der IBM PC/AT und seine Klone in der zweiten Hälfte der Achziger Jahre zum Standard geworden waren, wurde 1992 eine weitere Version des Programm unter dem Namen Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung (TAP) publiziert und von der Firma Psytest vertrieben. Seitdem haben die Autoren die TAP immer wieder an neue DOS-Versionen und beginnend mit der TAP-Version 2.0 an die diversen Windows-Versionen angepasst. Die TAP ist sowohl bei der Reizpräsentation als auch bei der Reaktionszeitmessung stark von der Hardwaretechnologie abhängig, die sich über die Jahre extrem verändert hat (von Röhrenbildschirmen zu Flachbildschirmen, von Parallelports zum USB-Port). Die stete Anpassung des Programms an die aktuelle Hard- und Software stellt über die Zeitspanne von über 30 Jahren eine höchst beachtliche Leistung dar, die man bei apparativen Tests sonst kaum findet.
Seit einigen Jahren liegt die Version 2.3.1 der TAP vor1). Sie läuft auf Windows 7, 8.1, 10 und ab TAP-Buildnummer 202206 auch auf 11 und verwendet Reaktionstasten, die über einen USB-Port angesteuert werden. An einem zweiten USB-Port kontrolliert ein Dongle den rechtmäßigen Erwerb des Programms.
Die TAP hat sich nicht nur in Deutschland zum Standardinstrument zur computerisierten Erfassung von diversen Komponenten der Aufmerksamkeit entwickelt. Sie wurde in vielen allgemeinpsychologischen und neuropsychologischen Untersuchungen verwendet, von denen viele im Handbuch zitiert sind. Die Firma führt auch eine Liste mit wissenschaftlichen Arbeiten, in denen die TAP verwendet wurde.
Beschreibung der Testwerte
Die Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung prüft die Reaktionsgeschwindigkeit und die Reaktionsgüte in Aufmerksamkeitsaufgaben unterschiedlicher Schwierigkeit und Komplexität. Sie besteht aus diesen 13 Subtests:
- Alertness
- Arbeitsgedächtnis
- Augenbewegungen
- Crossmodale Integration
- Daueraufmerksamkeit
- Flexibilität
- Gesichtsfeld und Neglect
- Geteilte Aufmerksamkeit
- Go/NoGo
- Inkompatibilität
- Verdeckte Aufmerksamkeitsverschiebung
- Vigilanz
- Visuelles Scanning
Viele der Subtests können mit unterschiedlichen Modalitäten, Optionen oder Schwierigkeitsgraden durchgeführt werden, wodurch sich die Zahl der möglichen Tests auf 33 vergrößert. Immer muss der Proband auf bestimmte einfache oder komplexe, meist visuelle, selten (auch) akustische Bedingungen mit dem Druck auf eine von zwei Tasten möglichst schnell und möglichst ohne Fehler reagieren. Dabei besteht ein Subtests aus zwischen 40 und 100 einzelnen Trials. Für jeden Subtest liefert das Programm mehrere Messwerte. Stets gibt es eine statistische Zusammenfassung der Reaktionszeiten in den einzelnen Trials (z.B. Median, Standardabweichung), meist auch Maßzahlen für die Richtigkeit der Reaktion (z.B. Anzahl der Fehler oder Auslassungen). Stets werden diese Maßzahlen für den gesamten Test, oft auch für bestimmte Teilzeiten oder Teilbedingungen ausgegeben. Die Liste der berechneten Rohwerte über alle Subtests hinweg ist drei Seiten lang. Im Handbuch wird der neuropsychologische Hintergrund jedes Subtests ausführlich erläutert, auch mit Hinweisen auf weitere Literatur.
Testmaterial und Copyright
Die TAP wird von der Firma Vera Fimm Psytest (www.psytest.net) hergestellt und vertrieben. Neben der hier besprochenen klassischen Testbatterie für Erwachsene gibt es auch eine Version für Kinder und eine spezielle Variante für Fahrtauglichkeitsuntersuchungen. Sie wird als Windows-Programm auf einem USB-Dongle geliefert und muss lokal installiert werden. Dem Programm liegen zwei Handbücher bei, von denen eines die Untertests samt theoretischem Hintergrund beschreibt, das andere die Normdaten enthält. Der für die Testdurchführung benutzte Rechner muss bestimmte Bedingungen erfüllen, die auf der Webseite zu finden sind.
Das Material ist urheberrechtlich geschützt und wird zudem nur an bestimmte Berufsgruppen ausgeliefert. Es ist nur über die Firma Psytest erhältlich, die bei Problemen mit der Installation oder der Durchführung der Tests einen Service bereitstellt.
Testdurchführung
Die TAP wird als Individualtest durchgeführt. Im TAP-Handbuch ist die Bedienung des Computers und die Durchführung der Subtests ausführlich beschrieben. Der Testleiter trägt die Personendaten ein und wählt einen Subtest. Bei jedem Subtest gibt es eine Instruktion auf dem Bildschirm, immer auch zunächst einen Vortest zum Üben. Erst dann folgt der eigentliche Haupttest, der ausgewertet wird.
Die Ergebnisse werden als Tabellen und als graphische Darstellungen ausgegeben, beides sehr detailreich.
Die Dauer der Testung hängt davon ab, welche Subtests vorgegeben werden und wie schnell ein Proband die Aufgabe versteht. Die Durchführungszeiten der Haupttests liegen zwischen etwa 2 und 6 Minuten, die Messung der Daueraufmerksamkeit braucht mit 15 Minuten aufgabengemäß länger. Die Vortests dauern meistens nur 1 bis 2 Minuten, können aber auch mal länger dauern, wenn es Verständnisprobleme mit der Aufgabe gibt.
Testrohwerte
In TDB2Online werden nicht alle Subtests und schon gar nicht alle Messwerte ausgewertet. Für den Einschluss eines Messwerts und eines Subtests waren zwei Gesichtspunkte maßgebend: Er soll (1.) für einen allgemeinen Aspekt der Aufmerksamkeit stehen, der für viele Patienten und Probanden relevant sein kann, (2.) für die gesamte Subtestdauer stehen und nicht nur eine Teilstrecke und (3.) an möglichst vielen Probanden normiert sein. Tabelle 1 zeigt die in TDB2Online ausgewerteten Subtests, den Stichprobenumfang der Normierungsdaten, die ausgewerteten Kennwerte und deren Kürzel in der Eingabemaske von TDB2 und TDB2Online.
Tabelle 1: Auswertbare Subtests und Kennwerte
| Subtest | N(Normen) | Kennwert | Kürzel in Eingabemaske |
|---|---|---|---|
| Alertness | 604 | Md(RT)ª ohne Ton | TAP23_AL_Md_oW |
| Md(RT) mit Ton | TAP23_AL_Md_mW | ||
| Arbeitsgedächtnis – Schwierigkeitsstufe 3 | 322 | Md(RT) | TAP23_AG_Md |
| Auslassungen | TAP23_AG_Aus | ||
| Flexibilität – verbal/Buchst u. Zahlen alt. | 811 | Md(RT) | TAP23_FLv/a_Md |
| Fehler | TAP23_FLv/a_Fe | ||
| Geteilte Aufmerksamkeit – synchr./vis.-ak. | 808 | Md(RT) auditiv | TAP23_GAs_Md_a |
| Md(RT) visuell | TAP23_GAs_Md_v | ||
| Auslassungen (alle) | TAP23_GAs_A_av | ||
| Go/NoGo – 1 aus 2 | 439 | Md(RT) | TAP23_GO1/2_Md |
| Fehler | TAP23_GO1/2_Fe |
ªMd(RT) = Median der Reaktionszeit für den jeweiligen Subtest
Alle Normdaten der fünf Subtests liegen über den Altersbereich von 19 bis 89 oder 90 Jahre vor.
Normquellen
Die TAP verfügt seit vielen Versionen über ein eigenes ausführliches Handbuch für die Normen. Der Prozess der Normierung der TAP ging offensichtlich über viele Jahre hin, einige neu hinzugekommene Subtests oder Optionen haben noch keine Normen oder nur solche an kleinen Stichproben. Klar ist, dass die Normen aus verschiedenen Quellen stammen, im Handbuch wird einzelnen Personen und Institutionen gedankt. Es wird sich dabei überwiegend oder ausschließlich um anfallende Stichproben gehandelt haben, für die eine Referenzpopulation schwer anzugeben sein dürfte. Es wird nicht gesagt, wann welche Daten erhoben wurden oder auf Grund welcher Eigenschaften sie zu den Normdaten hinzugefügt wurden.
Im Normenhandbuch ist die Zusammensetzung der Stichproben für alle Subtests einzeln dargestellt, gegliedert nach Geschlecht, Schulbildung (< 12 Jahre und ≥ 12 Jahre) und 10-Jahres-Altersklassen. Die Zusammensetzung ist von Subtest zu Subtest unterschiedlich. Es gibt welche, bei denen die Altersklasse 20-29 deutlich überrepräsentiert ist (Alertness, Arbeitsgedächtnis, Go/NoGo), bei anderen sind auch viele Ältere zwischen 60 und 79 vertreten (Flexibilität, geteilte Aufmerksamkeit).
Aus anderen Quellen liegen unseres Wissens nach keine Normwerte für die TAP vor. Eine 1996 publizierte Normierungsstudie2) an 200 Personen im Alter zwischen 20 und 60 Jahren, der ein Stichprobenplan zugrunde lag, ist in die Normen eingeflossen, wie den Angaben in der Zeitschrift zu entnehmen ist. Sucht man in der vorbildlichen Literaturdatenbank der Firma Psytest, die für die TAP (Stand Juli 2026) 2892 Publikationen enthält, mit der Volltextsuche nach „Norms“ für die TAP, findet man keine weiteren einschlägigen Arbeiten.
Die Repräsentativität der vorliegenden Normen lässt sich auf Grund der Vielzahl an Quellen nicht einschätzen. Das Handbuch macht dazu keine Angaben.