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 ===== Hintergrund ===== ===== Hintergrund =====
  
-Die Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition (WAIS-IV) ist seit 2012 in einer deutschen Adaptation erhältlich. Dabei hat sie den englischen Titel behalten.((Petermann, F. (Hrsg.) (2012). //Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition. Deutschsprachige Adaptation der WAIS-IV von D. Wechsler//. Frankfurt/M.: Pearson Assessment & Information GmbH.)) Das Originalverfahren erschien 2008 in USA.((Wechsler, D. (2008). //Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition.// San Antonio, TX: Pearson.)) David Wechsler, ein amerikanischer Psychologe, konstruierte Ende der 30er Jahre mit der Wechsler-Bellevue-Scale((Wechsler, D. (1939). //The Measurement of Adult Intelligence.// Baltimore(MD): Williams & Wilkins.)) die erste Intelligenztestbatterie dieser Serie, die vor allem für klinische Zwecke gedacht war. Unter Einschluss der Wechsler-Bellevue-Scale stellt die WAIS-IV die fünfte Generation der Wechsler-Intelligenztestreihe dar.+Die Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition (WAIS-IV) ist seit 2012 in einer deutschen Adaptation erhältlich. Dabei hat sie den englischsprachigen Titel behalten.((Petermann, F. (Hrsg.) (2012). //Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition. Deutschsprachige Adaptation der WAIS-IV von D. Wechsler//. Frankfurt/M.: Pearson Assessment & Information GmbH.)) Das Originalverfahren erschien 2008 in USA.((Wechsler, D. (2008). //Wechsler Adult Intelligence Scale - Fourth Edition.// San Antonio, TX: Pearson.)) David Wechsler, ein amerikanischer Psychologe, konstruierte Ende der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts mit der Wechsler-Bellevue-Scale((Wechsler, D. (1939). //The Measurement of Adult Intelligence.// Baltimore(MD): Williams & Wilkins.)) die erste Intelligenztestbatterie dieser Serie, die vor allem für klinische Zwecke gedacht war. Unter Einschluss der Wechsler-Bellevue-Scale stellt die WAIS-IV die fünfte Generation der Wechsler-Intelligenztestreihe dar.
  
 Schon die Vorgänger aus der zweiten und dritten Generation der Wechsler Tests, HAWIE((Hardesty, A. & Lauber, H. (1956). //Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE)//. Bern: Huber)) und HAWIE-R((Tewes, U. (Hrsg.) (1991). //Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene - Revision 1991 (HAWIE-R)//. Bern: Huber)), boten mit ihren 11 Untertests einen guten Überblick über die Struktur kognitiver Leistungen, speziell auch bei kognitiv beeinträchtigten Patienten. In der vierten Generation, dem WIE((von Aster, M., Neubauer, A., & Horn, R. (2006). //Wechsler Intelligenztest für Erwachsene (WIE). Manual. Übersetzung und Adaptation der WAIS-III von David Wechsler//. Frankfurt/M.: Pearson Assessment & Information GmbH.)), wurde die Zusammensetzung der Subtests erstmals stärker verändert, um den Bedürfnissen neuropsychologischer Untersuchungen besser Rechnung zu tragen. Die 14 Subtests des WIE erlaubten neben der bis dahin üblichen Aufgliederung der Testleistungen in einen Verbal- und Handlungsteil eine Aufgliederung nach neuropsychologischen Gesichtspunkten, die den Anschluss an die modernere, neuropsychologisch geprägte Forschung hinsichtlich der Struktur kognitiver Leistungen herstellte. Die WAIS-IV übernimmt im wesentlichen die Struktur des WIE und fasst die Subtestleistungen in vier Indizes (Sprachverständnis, Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit) und einem Gesamt-IQ zusammen. Die Aufgliederung in Verbal- und Handlungsteil entfällt.   Schon die Vorgänger aus der zweiten und dritten Generation der Wechsler Tests, HAWIE((Hardesty, A. & Lauber, H. (1956). //Hamburg-Wechsler-Intelligenztest für Erwachsene (HAWIE)//. Bern: Huber)) und HAWIE-R((Tewes, U. (Hrsg.) (1991). //Hamburg-Wechsler Intelligenztest für Erwachsene - Revision 1991 (HAWIE-R)//. Bern: Huber)), boten mit ihren 11 Untertests einen guten Überblick über die Struktur kognitiver Leistungen, speziell auch bei kognitiv beeinträchtigten Patienten. In der vierten Generation, dem WIE((von Aster, M., Neubauer, A., & Horn, R. (2006). //Wechsler Intelligenztest für Erwachsene (WIE). Manual. Übersetzung und Adaptation der WAIS-III von David Wechsler//. Frankfurt/M.: Pearson Assessment & Information GmbH.)), wurde die Zusammensetzung der Subtests erstmals stärker verändert, um den Bedürfnissen neuropsychologischer Untersuchungen besser Rechnung zu tragen. Die 14 Subtests des WIE erlaubten neben der bis dahin üblichen Aufgliederung der Testleistungen in einen Verbal- und Handlungsteil eine Aufgliederung nach neuropsychologischen Gesichtspunkten, die den Anschluss an die modernere, neuropsychologisch geprägte Forschung hinsichtlich der Struktur kognitiver Leistungen herstellte. Die WAIS-IV übernimmt im wesentlichen die Struktur des WIE und fasst die Subtestleistungen in vier Indizes (Sprachverständnis, Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken, Arbeitsgedächtnis und Verarbeitungsgeschwindigkeit) und einem Gesamt-IQ zusammen. Die Aufgliederung in Verbal- und Handlungsteil entfällt.  
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 ===== Testmaterial und Copyright ===== ===== Testmaterial und Copyright =====
  
-Für die Durchführung der WAIS-IV benötigt man den kompletten Testsatz, der neben den beiden Handbüchern und einer Erstaustattung an Protokollbögen auch Aufgabenhefte und Testmaterial enthält. Als Verbrauchsmaterial fallen laufend nur die Protokollbögen und die speziellen Aufgabenhefte für bestimmte Subtests an. Das Material ist urheberrechtlich geschützt und wird zudem nur an bestimmte Berufsgruppen ausgeliefert. Es ist über den [[http://www.pearsonassessment.de|Webstore des Verlags]] oder über die Testzentralen in [[http://www.testzentrale.de|Deutschland]] oder der [[http://www.testzentrale.ch|Schweiz]] erhältlich. Der TDB2Online-Artikel über den WIE enthält auch einige Hinweise zur [[:tests:wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene#copyright|Copyright-Geschichte]] der Wechsler-Tests.+Für die Durchführung der WAIS-IV benötigt man den kompletten Testsatz, der neben den beiden Handbüchern und einer Erstaustattung an Protokollbögen auch Aufgabenhefte und Testmaterial enthält. Als Verbrauchsmaterial fallen laufend nur die Protokollbögen und die speziellen Aufgabenhefte für bestimmte Subtests an. Das Material ist urheberrechtlich geschützt und wird zudem nur an bestimmte Berufsgruppen ausgeliefert. Es ist über den [[https://pearsonassessment.de|Webstore des Verlags]] oder über die Testzentralen in [[https://testzentrale.de|Deutschland]] oder der [[https://testzentrale.ch|Schweiz]] erhältlich. Der TDB2Online-Artikel über den WIE enthält auch einige Hinweise zur [[:tests:wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene#copyright|Copyright-Geschichte]] der Wechsler-Tests.
  
  
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   * Bei der Wechsler Adult Intelligence Scale((Wechsler, D. (1955). //Wechsler adult intelligence scale//. New York: The Psychological Corporation)) (WAIS) und deren Vorgängern im englischen Sprachbereich und dementsprechend beim HAWIE im deutschen Sprachbereich waren die Wertpunkte so skaliert, dass sich in der **Gesamtverteilung der Eichstichprobe** ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 ergab. Diese Definition ist inhaltlich gesehen nicht glücklich, weil die Subtests ganz unterschiedliche Altersverläufe aufweisen. Ein so definierter Mittelwert von 10 charakterisiert bei einigen Subtests, insbesondere bei den sprachlichen, eine breite Altersspanne. Bei Subtests mit einer starken Leistungseinbuße im Alter kann er dagegen nur eine ziemlich enge Altersspanne wirklich charakterisieren. Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass eine Änderung im Altersbereich der Normierungsstichprobe zu einer veränderten Definition der Wertpunkte führt. Auch dies wird vor allem bei den Subtests mit einer starken Leistungseinbuße im Alter wirksam.   * Bei der Wechsler Adult Intelligence Scale((Wechsler, D. (1955). //Wechsler adult intelligence scale//. New York: The Psychological Corporation)) (WAIS) und deren Vorgängern im englischen Sprachbereich und dementsprechend beim HAWIE im deutschen Sprachbereich waren die Wertpunkte so skaliert, dass sich in der **Gesamtverteilung der Eichstichprobe** ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 ergab. Diese Definition ist inhaltlich gesehen nicht glücklich, weil die Subtests ganz unterschiedliche Altersverläufe aufweisen. Ein so definierter Mittelwert von 10 charakterisiert bei einigen Subtests, insbesondere bei den sprachlichen, eine breite Altersspanne. Bei Subtests mit einer starken Leistungseinbuße im Alter kann er dagegen nur eine ziemlich enge Altersspanne wirklich charakterisieren. Ein weiterer Nachteil liegt darin, dass eine Änderung im Altersbereich der Normierungsstichprobe zu einer veränderten Definition der Wertpunkte führt. Auch dies wird vor allem bei den Subtests mit einer starken Leistungseinbuße im Alter wirksam.
-  * Bei der revidierten Version der WAIS, der WAIS-R((Wechsler, D. (1981). //Wechsler adult intelligence scale--revised//. San Antonio, TX: The Psychological Corporation.)), und dementsprechend beim HAWIE-R wurden die Wertpunkte so skaliert, dass ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 in der Altersklasse der **jungen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren** erzielt wurde. Damit ließen sich die Wertpunkte inhaltlich enger charakterisieren als typische Leistung für junge gesunde Probanden auf dem Gipfelpunkt der kognitiven Leistungsfähigkeit. Der Altersbereich der Normierungsstichprobe hat darauf dann keinen Einfluss mehr. Altersbedingte Defizite finden sich nach beiden Seiten. Jugendliche um die 16 Jahre erreichen im Durchschnitt zum Beispiel im Wortschatztest nur 8 Wertpunkte. Probanden mit einem Alter von siebzig Jahren erreichen in manchen Subtests des Handlungsteils nur vier bis sechs Wertpunkte. +  * Bei der revidierten Version der WAIS, der WAIS-R((Wechsler, D. (1981). //Wechsler adult intelligence scale--revised//. San Antonio, TX: The Psychological Corporation.)), und dementsprechend beim HAWIE-R wurden die Wertpunkte so skaliert, dass ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 in der Altersklasse der **jungen Erwachsenen zwischen 20 und 34 Jahren** erzielt wurde. Damit ließen sich die Wertpunkte inhaltlich enger charakterisieren als typische Leistung für junge gesunde Probanden auf dem lebenszeitlichen Gipfelpunkt der kognitiven Leistungsfähigkeit. Der Altersbereich der Normierungsstichprobe hat darauf dann keinen Einfluss mehr. Altersbedingte Defizite finden sich nach beiden Seiten. Jugendliche um die 16 Jahre erreichen im Durchschnitt zum Beispiel im Wortschatztest nur 8 Wertpunkte. Probanden mit einem Alter von siebzig Jahren erreichen in manchen Subtests des Handlungsteils nur vier bis sechs Wertpunkte. 
-  * Bei der WAIS-III((Wechsler, D. (1997). //Wechsler adult intelligence scale--third edition//. San Antonio, TX: The Psychological Corporation)) und dementsprechend beim WIE wurde diese Definition der Wertpunkte, die inhaltlich den Leistungswerten in TDB2 ähnlich ist,  nicht weitergeführt. Ab dieser Generation (und damit auch bei der WAIS-IV) wurden die Wertpunkte nur noch gruppenweise altersbezogen definiert, so dass sich **für jede Altersgruppe separat** ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 ergibt. (Beim HAWIE-R stand diese Methode als alternative Auswertung zur Verfügung). Bei WAIS-III und WAIS-IV wird also jede Altersgruppe anders transformiert und die Wertpunkte verlieren für einen Vergleich zwischen verschiedenen Altersgruppen ihren Sinn.+  * Bei der WAIS-III((Wechsler, D. (1997). //Wechsler adult intelligence scale--third edition//. San Antonio, TX: The Psychological Corporation)) und dementsprechend beim WIE wurde diese Definition der Wertpunkte, die inhaltlich den Leistungswerten in TDB2 ähnlich ist,  nicht weitergeführt. Ab dieser Generation (und damit auch bei der WAIS-IV) wurden die Wertpunkte nur noch altersgruppenweise definiert, so dass sich **für jede Altersgruppe separat** ein Mittelwert von 10 und eine Standardabweichung von 3 ergibt. (Beim HAWIE-R stand diese Methode als alternative Auswertung zur Verfügung). Bei WAIS-III und WAIS-IV wird also jede Altersgruppe anders transformiert und die Wertpunkte verlieren ihre Fähigkeit, tatsächliche Leistungen zu messen, auch solche unterschiedlich  alter Personen.
  
 In TDB2Online erfolgt die Darstellung von Testergebnissen immer in Form von altersunabhängigen [[:dokumentation#Berechnung von Leistungswerten|Leistungswerten]]. Für die Berechnung der Leistungswerte wurde bei den Subtests des WAIS-IV auf die Wertpunkttransformationen der Altersklassen 20-24 und 25-29 zurückgegriffen. Die Details sind weiter unten erläutert. In TDB2Online erfolgt die Darstellung von Testergebnissen immer in Form von altersunabhängigen [[:dokumentation#Berechnung von Leistungswerten|Leistungswerten]]. Für die Berechnung der Leistungswerte wurde bei den Subtests des WAIS-IV auf die Wertpunkttransformationen der Altersklassen 20-24 und 25-29 zurückgegriffen. Die Details sind weiter unten erläutert.
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 ===== Sprachliche Fähigkeiten ===== ===== Sprachliche Fähigkeiten =====
  
-Zu der Domäne der sprachlichen Fähigkeiten zählen die Kerntests Gemeinsamkeitenfinden, Wortschatztest und Allgemeines Wissen. Damit ist die Zusammensetzung dieser Domäne die gleiche wie beim WIE. Als optionaler Untertest kommt der Subtest Allgemeines Verständnis hinzu. Alle vier Subtests sind alte Bekannte und waren in allen früheren deutschsprachigen Versionen der Wechsler-Tests seit dem HAWIE enthalten.  +siehe ausführliche [[tests:wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition#Sprachliche Fähigkeiten|Dokumentation]]
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-==== Gemeinsamkeitenfinden ==== +
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-In der Rohwertverteilung des Subtests Gemeinsamkeitenfinden (GF, **Abbildung 1**) zeigt sich ein gewisser Deckeneffekte (vor allem bei den jungen Erwachsenen), der darauf zurückgeht, dass der Subtest relativ viele leichte, aber nur wenige schwere Items enthält. Eine solche Rohwertverteilung führt dazu, dass die Genauigkeit im oberen Leistungsbereich niedriger ist als im unteren. Wir werden ähnliche Verteilungen auch bei den drei anderen Subtests der Domäne Sprachliche Fähigkeiten sehen.  +
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-{{:tests:wais-iv-d_gf_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 1: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Gemeinsamkeitenfinden für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_gf_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 2: Leistungswerte im Subtest Gemeinsamkeitenfinden mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (siehe Text)** +
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-In einer Übersichtsgrafik zeigt **Abbildung 2** den Zusammenhang von Roh- und Leistungswerten sowie den Einfluss des Alters auf die (durchschnittlichen) Leistungen für den Subtest Gemeinsamkeitenfinden. Auf dieser Abbildung (und allen ähnlichen folgenden) markieren die senkrechten Striche die Leistungswerte von 40 bis 145. Auf der schwarzen waagerechten Linie sind ausgewählte Rohwerte lagerichtig als Rhomben eingetragen. Die abwechselnd rot und blau eingezeichneten Linien enthalten die Normgrenzen für alle Altersgruppen in der Übersicht. Die fünf Markierungen auf jeder Linie stehen für die Prozentränge 2.5, 16, 50, 84 und 97.5. Jeweils eine solche Linie, nämlich die, die der Altersgruppe des Probanden entspricht, wird (in anderer Form) im TDB2Online-Profilblatt eingezeichnet, um bei der individuellen Interpretation der Testergebnisse zu helfen. Weil die Leistungswerte aus den Ergebnissen der 20-29-jährigen jungen Erwachsenen errechnet werden, umschließen die 5 Markierungen der Altersgruppen 20-24 und 25-29 immer die Leistungswerte 70, 85, 100, 115 und 130. +
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-An der Lage der Rohwerte im Leistungswertgitter von **Abbildung 2** lässt sich die geringere Differenzierungsfähigkeit im oberen Leistungsbereich gut erkennen. Zwischen den Leistungswerten 85 und 100 liegen etwa 8 Rohpunkte (etwa 17 bis 25), zwischen 115 und 130 nur 4 (31 bis 35). Eine zusätzliche (mit zwei Punkten bewertete) richtige Antwort führt im oberen Leistungsbereich zu einer um 7 bis 8 IQ-Punkte besseren Leistung, im unteren erhöht sie die Subtestleistung nur um 4 Punkte.   +
-Der maximal mögliche Rohwert von 36 entspricht einem Leistungswert von 137, bessere Leistungen sind mit dem Subtest nicht messbar. Nach unten ist die Schwierigkeitsabstufung der Items dagegen gut. Bei einem klinischen Test, der eher Leistungsdefizite als Leistungsspitzen erkennen soll, ist eine solche Charakteristik völlig akzeptabel. +
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-Der altersassoziierte Leistungsabfall ist bei diesem Subtest nicht stark. Zwischen dem Mittelwert der besten Altersgruppe (30-34) und der schlechtesten (85-89) liegen nur 10 IQ-Punkte (entspricht 2/3 Standardabweichung).  +
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-==== Wortschatztest ==== +
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-In der Rohwertverteilung des Subtests Wortschatztest (WT, **Abbildung 3**) zeigt sich ein Deckeneffekt vom jungen Erwachsenen- bis zum beginnenden Rentenalter. Im oberen Bereich ist die Verteilungskurve für mittlere Jahrgänge sehr steil, kleine Rohwertdifferenzen bewirken große Leistungswertdifferenzen. +
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-{{:tests:wais-iv-d_wt_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 3: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Wortschatztest für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_wt_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 4: Leistungswerte im Subtest Wortschatztest mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Dem entsprechend ist beim Wortschatztest die Differenzierungsfähigkeit im oberen Leistungsbereich deutlich schlechter als im mittleren oder unteren. Der altersassoziierte Leistungsabfall ist mäßig stark. Zwischen dem Mittelwert der besten Altersgruppe (35-44) und der schlechtesten (85-89) liegt etwa eine Standardabweichung (15 IQ-Punkte).  +
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-==== Allgemeines Wissen ==== +
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-Schon an der Verteilungskurve der Rohwerte des Subtests Allgemeines Wissen (AW, **Abbildung 5**) sieht man, dass die 65-69-Jährigen mehr wissen als die jungen Erwachsenen. +
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-{{:tests:wais-iv-d_aw_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 5: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Allgemeines Wissen für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_aw_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 6: Leistungswerte im Subtest Allgemeines Wissen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Aus der genaueren Altersverteilung in **Abbildung 6** sieht man dann, dass die 45-54-Jährigen die höchste mittlere Leistung erbringen. Der Leistungsabfall von dieser Gruppe bis zu den 85-89-Jährigen beträgt im Mittelwert etwa 10 IQ-Punkte. +
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-==== Allgemeines Verständnis ==== +
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-Von den vier Subtests in der Domäne Sprachliche Fähigkeiten hat der Subtest Allgemeines Verständnis (AV, **Abbildung 7**) die schiefste Verteilung. Im unteren Leistungsbereich haben auch große Rohwertdifferenzen nur einen geringen Einfluss, im oberen Leistungsbereich haben kleine Änderungen dagegen einen großen Einfluss. Die Testdecke ist niedrig.     +
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-{{:tests:wais-iv-d_av_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 7: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Allgemeines Verständnis für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_av_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 8: Leistungswerte im Subtest Allgemeines Verständnis mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Der Erwerb der von diesem Subtest gemessenen sprachlichen Fähigkeit setzt sich bis ins mittlere Erwachsenenalter fort, zwischen 35 und 54 liegt das Maximum (**Abbildung 8**). Mehr noch als bei GF findet sich bei AV eine Varianzverringerung bei den alten Personen der Stichprobe. Eigentlich sollte die Flächentransformation die Varianz auch über leistungsunterschiedliche Gruppen hinweg stabilisieren. Möglicherweise gehen bei GF und AV im hohen Alter andere kognitive Fähigkeiten in die Messung ein.   +
  
 ===== Visuelles Problemlösen ===== ===== Visuelles Problemlösen =====
  
-Zur Fähigkeitsdomäne Visuelles Problemlösen (im deutschen Handbuch: Wahrnehmungsgebundenes logisches Denken) gehören insgesamt fünf Subtests: die drei Kerntests Mosaiktest, Matrizentest und Visuelle Puzzles sowie die zwei optionalen Subtests Formenwaage und Bilderergänzen. Beim WIE gehörten zu dieser Domäne die Subtests Mosaiktest, Matrizentest und Bilderergänzen. Der neue Subtest Visuelle Puzzles ist eine sehr gute Ergänzung für diese Domäne, zu der das Bilderergänzen ohnehin nicht gepasst hat. Auch der Subtests Formenwaage ist neu. Der Mosaiktest und das Bilderergänzen sind seit dem HAWIE alte Bekannte, der Matrizentest seit dem WIE. Für die Formenwaage liegen Altersnormen nur bis zur Gruppe der 65-69-Jährigen vor. +siehe ausführliche [[tests:wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition#Visuelles Problemlösen|Dokumentation]]
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-==== Mosaiktest ==== +
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-Der Mosaiktest (MT) enthält viele leichte Aufgaben. Bei den leistungsstärkeren Altersgruppen gibt es eine linksschiefe Verteilung mit schlechter Differenzierung im oberen Leistungsbereich. +
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-{{:tests:wais-iv-d_mt_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 9: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Mosaiktest für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_mt_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 10: Leistungswerte im Subtest Mosaiktest mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Das Leistungsoptimum liegt bei den 18--29-Jährigen. Schwer zu glauben ist, dass der Leistungsabfall von 30 bis rund 60 rasanter verlaufen soll als von 60 bis 90, was nach den Daten aber der Fall ist. Der gleiche Effekt war schon beim WIE zu sehen. Da bei der WAIS-IV immerhin 4 von 14 Aufgaben im Vergleich zum WIE verändert wurden, ist ein Skalierungsartefakt oder ein Bodeneffekt (was wir damals beim WIE für wahrscheinlich hielten) jetzt weniger wahrscheinlich. Vielleicht werden beim Mosaiktest tatsächlich Fähigkeiten gebraucht, die im hohen Alter nicht so stark abnehmen wie im mittleren. Insgesamt ist die Altersdifferenz beträchtlich: der mittlere Leistungswert sinkt von rund 100 bei den jungen Erwachsenen auf 76 bei den 85--89-Jährigen. +
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-==== Matrizentest ==== +
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-Der Matrizentest (MZ) ist dem Mosaiktest in vielen Eigenschaften ähnlich. Auch hier finden wir eine schlechtere Diskriminierungsfähigkeit im oberen Leistungsbereich und einen rasanten Altersabbau. +
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-{{:tests:wais-iv-d_mz_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 11: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Matrizentest für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_mz_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 12: Leistungswerte im Subtest Matrizentest mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Die 85--89-Jährigen erreichen im Durchschnitt nur einen Leistungswert von 68, was eine Einbuße von mehr als zwei Standardabweichungen im Vergleich zu den jungen Erwachsenen (LW 100) bedeutet. +
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-==== Visuelle Puzzles ==== +
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-Bei den Rohwertverteilungen des Subtests Visuelle Puzzles (VP, **Abbildung 13**) sieht man große Mittelwertsunterschiede zwischen Jungen und Alten, allerdings auch große Streuungsdifferenzen mit einer engen Verteilung bei den Ältesten und breiteren bei jüngeren Altersgruppen. Beides erkennt man noch besser in dem Diagramm mit den Altersnormen (**Abbildung 14**).      +
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-{{:tests:wais-iv-d_vp_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 13: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Visuelle Puzzles für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_vp_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 14: Leistungswerte im Subtest Visuelle Puzzles mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Auf der Leistungswertebene ist die Standardabweichung der 85--89-Jährigen nur rund halb so groß wie die der 20--24-Jährigen. Eigentlich sollte die Flächentransformation dafür sorgen, dass es keine direkte Abhängigkeit zwischen Leistungshöhe und Varianz gibt. Es ist eigenartig, dass das hier in diesem Maße auftritt. Viel spricht dafür, dass die Alten die Aufgaben anders wahrnehmen oder anders angehen als die Jungen. Möglicherweise spielt die Zeitbegrenzung der Aufgaben auf 20 oder 30 Sekunden hier eine Rolle. Diese Grenze (bei längerer Bearbeitungszeit zählt die Aufgabe als nicht gelöst) ist für die Jungen viel seltener relevant als für die Alten. Sie könnte dafür sorgen, dass **alle** Alten weniger Punkte erreichen, auch die, die fähig wären, die Aufgabe mit mehr Zeit zu lösen. Leider enthalten die Wechsler-Handbücher keine Itemstatistiken, an Hand derer man das nachverfolgen könnte. +
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-Der durchschnittliche Leistung der 85--89-Jährigen liegt mit einem Leistungswert von 72 knapp zwei Standardabweichungen unter der Leistung der jungen Erwachsenen. +
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-==== Formenwaage ==== +
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-Für die Formenwaage (FW) liegen nur Standardisierungsdaten bis zur Altersgruppe 65-69 vor. Die Verteilungen (siehe **Abbildung 15**)sind relativ symmetrisch, Abweichungen von der Linearität gibt es nur im extrem hohen Leistungsbereich. +
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-{{:tests:wais-iv-d_fw_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 15: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Formenwaage für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_fw_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 16: Leistungswerte im Subtest Formenwaage mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Die durchschnittliche Leistung der 65--69-Jährigen ist mit einem Leistungswert von 82 um gut eine Standardabweichung niedriger als die der Jungen. Das entspricht in etwa auch dem Leistungsabfall bei VP oder MZ. +
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-==== Bilderergänzen ==== +
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-Die Verteilungen der Rohwerte beim Subtest Bilderergänzen (BE, **Abbildung 17**) ist bis auf den Bodeneffekt bei den ganz Alten eigentlich ganz vorbildlich und spricht für gute Differenzierungsfähigkeit über alle Leistungsgruppen hinweg. +
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-{{:tests:wais-iv-d_be_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 17: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Bilderergänzen für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_be_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 18: Leistungswerte im Subtest Bilderergänzen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Dies bestätigt sich auch in den Altersnormen (**Abbildung 18**). Der durchschnittliche Leistungsabfall der 85--89-Jährigen beträgt knapp zwei Standardabweichungen. +
  
 ===== Arbeitsgedächtnis ===== ===== Arbeitsgedächtnis =====
  
-Zur Fähigkeitsdomäne Arbeitsgedächtnis gehören drei Subtests: die beiden Kerntests Zahlennachsprechen (ZN) und Rechnerisches Denken (RD) sowie der optionale Subtest Buchstaben-Zahlen-Folgen (BZF). Alle drei waren schon im WIE enthalten, beim WIE bildeten auch alle drei Subtest den Indexwert für die Domäne. Bei der WAIS-IV liegen Altersnormen für BZF allerdings nur noch bis zur Gruppe der 65-69-Jährigen vor. Es gibt noch einen Unterschied: Im WIE bestand ZN nur aus den Teilaufgaben "vorwärts" und "rückwärts". Bei der WAIS-IV kommt die Bedingung "sequentiell" dazu. Damit erhöht sich die Arbeitsgedächtnisbelastung dieses Subtests.  +siehe ausführliche [[tests:wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition#Arbeitsgedächtnis|Dokumentation]]
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-==== Zahlennachsprechen ==== +
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-Der WAIS-IV-Subtest Zahlennachsprechen (ZN) weist eine ziemlich ideale Rohwertverteilung (**Abbildung 19**) auf: An beiden Seiten der Verteilung ist genügend Raum, sowohl die Rohwerte 0 bis 7 als auch die von 45 bis 48 werden nur sehr selten erreicht. Es gibt also weder Boden- noch Deckeneffekte. Außerdem sind die Verteilungen ziemlich symmetrisch und haben über den gesamten Altersbereich eine relativ einheitliche Varianz. +
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-{{:tests:wais-iv-d_zn_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 19: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Zahlennachsprechen für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_zn_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 20: Leistungswerte im Subtest Zahlennachsprechen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Die altersassoziierte Leistungseinbuße (**Abbildung 20**) ist in diesem Test mäßig: die Leistung der 85--89-Jährigen sinkt auf einen Leistungswert von 81, also etwas mehr als eine Standardabweichung im Vergleich mit der Leistung junger Erwachsener (LW 100). +
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-==== Rechnerisches Denken ==== +
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-Der Subtest Rechnerisches Denken (RD) der WAIS-IV ist zu leicht. Wie man aus **Abbildung 22** ersehen kann, erreichen 95 Prozent aller Personen der Normstichprobe (über alle Altersgruppen hinweg) Werte zwischen 5 und 22, wobei 22 der maximale Rohwert ist. Er entspricht nur einem Leistungswert von knapp 130. Im unteren Verteilungsbereich (**Abbildung 21**) ist die Differenzierungsfähigkeit dagegen gut. +
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-{{:tests:wais-iv-d_rd_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 21: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Rechnerisches Denken für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_rd_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 22: Leistungswerte im Subtest Rechnerisches Denken mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Die altersassoziierte Leistungseinbuße ist nicht sehr hoch: vom jungen Erwachsenenalter (LW 100) sinken die Leistungswerte bei den 85--89-Jährigen auf 88, das ist also etwas weniger als eine Standardabweichung. +
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-==== Buchstaben-Zahlen-Folgen ==== +
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-Der Subtest Buchstaben-Zahlen-Folgen (BZF) hat eine relativ symmetrische Rohwertverteilung (**Abbildung 23**). Im unteren Bereich sind viele leichte Items, die von den allermeisten Personen richtig beantwortet werden. Es gibt kaum jemand, der weniger als 10 Rohwerte erreicht. +
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-{{:tests:wais-iv-d_bzf_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 23: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Buchstaben-Zahlen-Folgen für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_bzf_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 24: Leistungswerte im Subtest Buchstaben-Zahlen-Folgen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Die altersassoziierte Leistungseinbuße (**Abbildung 24**) kann beim Subtest Buchstaben-Zahlen-Folgen nur teilweise erfasst werden, weil er nur bis zur Altersgruppe von 65-69 Jahren normiert ist. Bis zu diesem Alter beträgt die Einbuße nur 8 IQ-punkte. +
  
 ===== Arbeitsgeschwindigkeit ===== ===== Arbeitsgeschwindigkeit =====
  
-Zur Fähigkeitsdomäne Arbeitsgeschwindigkeit (im deutschen WAIS-IV-Handbuch : Verarbeitungsgeschwindigkeit) gehören drei Subtests: die beiden Kerntests Symbolsuche (SYS) und Zahlen-Symbol-Test (ZST) sowie der optionale Subtest Durchstreichtest (DT). Die Domäne wurde auch beim WIE durch SYS und ZST gemessen. Für den Durchstreichtest liegen Altersnormen nur bis zur Gruppe der 65-69-Jährigen vor.  +siehe ausführliche [[tests:wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition#Arbeitsgeschwindigkeit|Dokumentation]]
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-==== Symbolsuche ==== +
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-Alle Subtests, die die Arbeitsgeschwindigkeit erfassen, haben gute Verteilungseigenschaften. Dies gilt auch für den Subtest Symbolsuche (SYS, **Abbildung 25**).  +
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-{{:tests:wais-iv-d_sys_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 25: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Symbolsuche für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_sys_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 26: Leistungswerte im Subtest Symbolsuche mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-Bei allen Subtests, die die Arbeitsgeschwindigkeit erfassen, lässt sich eine früh einsetzende und relativ linear verlaufende altersassoziierte Leistungseinbuße beobachten. Wie **Abbildung 26** zeigt, beträgt sie bei der Symbolsuche von den 20ern bis zum Alter von 85-89 Jahre rund zwei Standardabweichungen oder 30 IQ-Punkte. +
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-==== Zahlen-Symbol-Test ==== +
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-Das beim Subtest Symbolsuche Gesagte gilt weitgehend auch für den Zahlen-Symbol-Test (ZST, **Abbildung 27**). Hinzu kommt hier, dass der Rohwertbereich von 0 bis 135 im oberen Leistungsbereich bei Ersttestungen praktisch nie ausgenutzt wird. Der Leistungswert von 145, die maximal grafisch darstellbare Leistung in TDB2Online, wird schon mit einem Rohwert von 112 erreicht (siehe **Abbildung 28**). Der weite Messbereich ist trotzdem sinnvoll, weil der Subtest gelegentlich auch bei Mehrfachtestungen eingesetzt wird. +
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-{{:tests:wais-iv-d_zst_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 27: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Zahlen-Symbol-Test für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_zst_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 28: Leistungswerte im Subtest Zahlen-Symbol-Test mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-In diesem Subtest sind tatsächlich die 16--17-Jährigen am besten (mittlerer Leistungswert 101,2), wenn auch der Unterschied zu den jungen Erwachsenen, an denen der Leistungswert normiert ist (20--29-Jährige, LW 100), nur minimal ist. Die altersassoziierte Leistungseinbuße zwischen dem jungen Erwachsenenalter und der Gruppe der 85--89-Jährigen beträgt zwei Standardabweichungen.  +
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-==== Durchstreichtest ==== +
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-Der Durchstrichtest (DT) hat eine gute Rohwertverteilung und einen vernünftigen Messbereich, wie aus **Abbildungen 29 und 30** hervorgeht. Das einzige Manko liegt darin, dass er nur bis zur Altersgruppe 65-69 normiert ist.  +
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-{{:tests:wais-iv-d_dt_rohwertverteilung.png|}} +
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-**Abbildung 29: Rekonstruierte Rohwertverteilung des Subtests Durchstreichtest für ausgewählte Altersgruppen** +
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-{{:tests:wais-iv-d_dt_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 30: Leistungswerte im Subtest Durchstreichtest mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 2)** +
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-So weit man die altersassoziierte Leistungseinbuße bei dem eingeschränkten Altersbereich beurteilen kann, liegt sie im Bereich derjenigen der beiden anderen Subtests dieser Domäne.+
  
 ===== Behandlung der Globalwerte (Gesamt- und Domänenwerte) ===== ===== Behandlung der Globalwerte (Gesamt- und Domänenwerte) =====
  
-Wenn mehrere Subtests addiert oder gemittelt und das Ergebnis dieser Aktionen dann als Messwert neu normiert wird, dann entsteht daraus eine neue Metrik, die mit derjenigen der Subtests nicht mehr kompatibel ist. Dieser Sachverhalt ist in der allgemeinen Dokumentation im Abschnitt [[:dokumentation#Mehrfachstandardisierung auf unterschiedlichen Ebenen|Mehrfachstandardisierung auf unterschiedlichen Ebenen]] erläutert und am Beispiel der Intelligenzquotienten des HAWIE-R transparent gemacht worden. Wir haben dort gesehen, dass ein Proband, der in jedem Subtest vier Wertpunkte erreicht, in den Intelligenzquotienten nicht den IQ 70 erhält, den man bei einer vergleichbaren Metrik erwarten würde (zwei Standardabweichungen unterhalb des Mittelwerts seiner Altersgruppe), sondern deutlich niedrigere Wertedie von der Korrelation zwischen den Subtests und der Anzahl der aggregierten Subtests abhängen.+Wenn mehrere Subtests addiert oder gemittelt und das Ergebnis dieser Aktionen dann als Messwert neu normiert wird, dann entsteht daraus eine neue Metrik, die mit derjenigen der Subtests nicht mehr kompatibel ist. Dieser Sachverhalt ist in der allgemeinen Dokumentation im Abschnitt [[:dokumentation#Mehrfachstandardisierung auf unterschiedlichen Ebenen|Mehrfachstandardisierung auf unterschiedlichen Ebenen]] erläutert und am Beispiel der Intelligenzquotienten des HAWIE-R transparent gemacht worden. Wir haben dort gesehen, dass ein Proband, der in jedem Subtest vier Wertpunkte erreicht, in den Intelligenzquotienten nicht den IQ 70 erhält, den man bei einer vergleichbaren Metrik erwarten würde (zwei Standardabweichungen unterhalb des Mittelwerts seiner Altersgruppe), sondern einen deutlich niedrigerendessen genauer Wert von der Korrelation zwischen den Subtests und der Anzahl der aggregierten Subtests abhängt.
  
 Bei der WAIS betrifft das die vier Indizes und den Gesamt-IQ. Diese fünf Maße sind noch einmal gesondert normiert worden und bauen deshalb eine eigene Metrik auf. Wir zeigen den Effekt in **Abbildung 31** am Beispiel eines 25-jährigen Probanden, der in jedem Kerntest genau 4 Wertpunkte erzielt hat.  Bei der WAIS betrifft das die vier Indizes und den Gesamt-IQ. Diese fünf Maße sind noch einmal gesondert normiert worden und bauen deshalb eine eigene Metrik auf. Wir zeigen den Effekt in **Abbildung 31** am Beispiel eines 25-jährigen Probanden, der in jedem Kerntest genau 4 Wertpunkte erzielt hat. 
  
-{{:tests:wais-iv-d_Beispiel_Profil_Gering_Begabt_Screenshot.png|}}+{{:dokumentation:wais-iv-d_Beispiel_Profil_Gering_Begabt_Screenshot.png|}}
  
 **Abbildung 31: WAIS-Testprofil eines Probanden mit genau 4 Wertpunkten in jedem der 10 Kerntests (siehe Text)** **Abbildung 31: WAIS-Testprofil eines Probanden mit genau 4 Wertpunkten in jedem der 10 Kerntests (siehe Text)**
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 In TDB2Online werden keine getrennt standardisierten Globalmaße berücksichtigt. Statt dessen geben wir schlicht die mittleren Subtests-Leistungswerte bzw. deren altersabhängige Standardwerte an.  In TDB2Online werden keine getrennt standardisierten Globalmaße berücksichtigt. Statt dessen geben wir schlicht die mittleren Subtests-Leistungswerte bzw. deren altersabhängige Standardwerte an. 
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 ===== Altersnormen der Globalmaße ===== ===== Altersnormen der Globalmaße =====
  
-Die Abbildungen in diesem Abschnitt zeigen die Altersnormen der vier Domänen der WAIS-IV sowie der Gesamtleistung in allen 10 Kerntests. In TDB2Online werden diese mittleren Leistungswerte an Stelle der Indizes und des Gesamt-IQ erstellt. Für jede Fähigkeitsdomäne und für den Gesamttest wird der mittlere Leistungswert berechnet und in TDB2Online unterhalb der Subtests grafisch dargestellt. Es wird nur über die zu einer Domäne gehörenden Kerntests gemittelt. Wenn auch Rohwerte für optionale Subtests eingegeben wurden, werden die zwar in den Subtestergebnisse gezeigt, aber nicht in den Globalmaßen berücksichtigt. Auch die altersentsprechenden Normgrenzen wurden nur über die Kerntests gemittelt, weil für drei der fünf optionalen Subtests keine Normen für über 69-Jährige vorliegen. +siehe ausführliche [[tests:wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition#Altersnormen der Globalmaße|Dokumentation]]
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-==== Sprachliche Fähigkeiten ==== +
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-{{:tests:wais-iv-d_domsv_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 32: Altersnormgrenzen der Domäne Sprachliche Fähigkeiten**  +
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-In den sprachlichen Fähigkeiten werden im WIE die höchsten Leistungen von den Altersgruppen etwa zwischen 30 und 60 erzielt. Die beiden Altersgruppen, die die Leistungswerte definieren (20-24 und 25-29), liegen zwei oder drei IQ-Punkte darunter. Insgesamt liegen die altersassoziierten Schwankungen der mittleren Leistungswerte in dieser Domäne unterhalb einer Standardabweichung.  +
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-==== Visuelles Problemlösen ==== +
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-{{:tests:wais-iv-d_domvp_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 33: Altersnormgrenzen der Domäne Visuelles Problemlösen** +
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-Die Messbereiche der drei Subtests, die zum visuellen Problemlösen gehören, sind oben alle etwas begrenzt, was dazu führt, dass mittlere Leistungswerte über 130 in dieser Domäne kaum vorkommen. Der altersassoziierte Leistungsabfall beginnt etwa bei 30 Jahren und verläuft bis zum Alter von etwa 70 steiler als danach. Eine Erklärung dafür ist nicht leicht zu finden, beim WIE konnte man aber mit einer ganz anderen Normierungsstichprobe das Gleiche beobachten. +
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-==== Arbeitsgedächtnis ==== +
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-{{:tests:wais-iv-d_domag_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 34: Altersnormgrenzen der Domäne Arbeitsgedächtnis** +
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-Arbeitsgedächtnis (**Abbildung 34**) und Arbeitsgeschwindigkeit (**Abbildung 35**) unterscheiden sich in ihrem Altersverlauf beträchtlich. Beim Arbeitsgedächtnis wird die maximale Leistung erst in einem Alter von rund 27 Jahren erreicht. Bis zum Ende der 80er sinkt die Leistung dann um rund eine Standardabweichung. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist dagegen schon im Jugendlichenalter (16-17) am höchsten und sinkt ab Mitte 20 ziemlich linear um rund zwei Standardabweichungen. Dieser unterschiedliche Altersverlauf fand sich auch schon im WIE, wenn auch dort (in allen Domänen) die altersassoziierte Einbuße noch größer war.  +
-==== Arbeitsgeschwindigkeit ==== +
- +
-{{:tests:wais-iv-d_domags_altersnormen.png|}}+
  
-**Abbildung 35: Altersnormgrenzen der Domäne Arbeitsgeschwindigkeit** 
  
-==== Gesamttest ====+===== Diskussion =====
  
-{{:tests:wais-iv-d_gesamt_altersnormen.png|}}+Bei aller Kritik im Detail muss man festhalten, dass die deutsche Version der WAIS-IV die gelungene Adaptation eines unverzichtbaren diagnostischen Verfahrens ist. Die Subtests messen Fähigkeitsbereiche, die für die klinische Beschreibung kognitiver Störungen wichtig sind, und die Domänen sind insgesamt vernünftig zugeschnitten. Im Spannungsfeld zwischen differentialpsychologischen und neuropsychologischen Modellen zur Abbildung kognitiver Fähigkeiten gehen die Wechsler-Testbatterien seit der WAIS-III (dem deutschen WIE) einen Mittelweg, der für die klinische Ergebnismitteilung bei Patienten mit  psychischen Störungen von Vokabular und Subtestzuschneidung her gut geeignet ist. Im Vergleich mit vielen anderen Testverfahren kann die WAIS-IV mit gutem Testmaterial, einer guten Normierung und einem großen Altersbereich punkten. Es gibt eine umfangreiche wissenschaftliche und anwendungsspezifische Literatur über die WAIS-IV, allerdings fast ausschließlich auf Englisch.
  
-**Abbildung 32: Altersnormgrenzen der Gesamtleistung in den Kerntests**+===== Literatur =====
  
-Ein Globalwert über 10 Subtests ist eigentlich nur dann sinnvoll zu interpretieren, wenn die Subtestergebnisse sich kaum unterscheiden. Dann misst er schlicht die zentrale Tendenz der mit dem Test gemessenen kognitiven Fähigkeiten. In klinischen Fragestellungen stehen meist Einbußen in einzelnen kognitiven Bereichen im Fokus.+#@VGW_ZM26_HTML@#
  • dokumentation/wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition.1627998343.txt.gz
  • Zuletzt geändert: 2021/08/03 13:45
  • von res