dokumentation:hamburg-wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene

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res [Beurteilung der Normuntersuchung]
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 ===== Vorbemerkung (Readme!) ===== ===== Vorbemerkung (Readme!) =====
  
-Der HAWIE-R ist sehr veraltet. Der Dokumentationstext zum HAWIE-R steht hier nur noch aus historischen Gründen und für wissenschaftliche Vergleichszwecke. Seit 2006 gab es mit dem [[tests:wechsler_intelligenztest_für_erwachsene|WIE]] einen Nachfolger des 1991 erschienenen HAWIE-R. Die Normen beider Tests unterscheiden sich.((Erzberger, C.S. & Engel, R. R. (2010) Zur Äquivalenz der Normen des Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene (WIE) mit denen des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene - Revision (HAWIE-R). //Zeitschrift für Neuropsychologie, 21(1)//, 25-37)) Seit 2012 gibt es auch einen Nachfolger für den WIE, die [[tests:wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition|WAIS-IV]]. Es dürfte keinen Grund mehr geben, bei der Erstuntersuchung eines Patienten oder Probanden den alten HAWIE-R statt dem neueren WIE oder - am besten - der WAIS-IV durchzuführen. Für den Fall, dass man alte HAWIE-R-Befunde mit neueren WIE-Befunden vergleichen möchte, gibt es eine Hilfsmöglichkeit in TDB2Online: Mit den Äquivalenztabellen aus der Arbeit von Erzberger & Engel (2010) wurde in TDB2Online unter dem "Test"-Gliederungspunkt [[tests:hawie-r_in_wie-normen|HAWIE-R in WIE-Normen]] eine Umrechnung programmiert. Mit dem HAWIE-R erhobene Subtestrohwerte werden in der Auswertung als Leistungs- und altersassoziierte Standardwerte auf der Basis der WIE-Normen dargestellt. Damit können alte HAWIE-R-Ergebnisse nachträglich mit WIE-Ergebnissen (etwa bei Wiederholungsmessungen beim gleichen Patienten) vergleichbar gemacht werden. Ähnliche Auswertungsbrücken zur WAIS-IV fehlen, da es keine entsprechenden Äquivalenzuntersuchungen gibt.  +Der HAWIE-R ist sehr veraltet. Der Dokumentationstext zum HAWIE-R steht hier nur noch aus historischen Gründen und für wissenschaftliche Vergleichszwecke. Seit 2006 gab es mit dem [[dokumentation:wechsler_intelligenztest_für_erwachsene|WIE]] einen Nachfolger des 1991 erschienenen HAWIE-R. Die Normen beider Tests unterscheiden sich.((Erzberger, C.S. & Engel, R. R. (2010) Zur Äquivalenz der Normen des Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene (WIE) mit denen des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene - Revision (HAWIE-R). //Zeitschrift für Neuropsychologie, 21(1)//, 25-37)) Seit 2012 gibt es auch einen Nachfolger für den WIE, die [[dokumentation:wechsler_adult_intelligence_scale_-_fourth_edition|WAIS-IV]]. Es dürfte keinen Grund mehr geben, bei der Erstuntersuchung eines Patienten oder Probanden den alten HAWIE-R statt dem neueren WIE oder - am besten - der WAIS-IV durchzuführen. Für den Fall, dass man alte HAWIE-R-Befunde mit neueren WIE-Befunden vergleichen möchte, gibt es eine Hilfsmöglichkeit in TDB2Online: Mit den Äquivalenztabellen aus der Arbeit von Erzberger & Engel (2010) wurde in TDB2Online unter dem "Test"-Gliederungspunkt [[dokumentation:hawie-r_in_wie-normen|HAWIE-R in WIE-Normen]] eine Umrechnung programmiert. Mit dem HAWIE-R erhobene Subtestrohwerte werden in der Auswertung als Leistungs- und altersassoziierte Standardwerte auf der Basis der WIE-Normen dargestellt. Damit können alte HAWIE-R-Ergebnisse nachträglich mit WIE-Ergebnissen (etwa bei Wiederholungsmessungen beim gleichen Patienten) vergleichbar gemacht werden. Ähnliche Auswertungsbrücken zur WAIS-IV fehlen, da es keine entsprechenden Äquivalenzuntersuchungen gibt.  
  
 ===== Hintergrund ===== ===== Hintergrund =====
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 Die Testhandbücher enthalten nur das zur Durchführung und Auswertung notwendige Material. Historische Hintergrundinformationen zu den Wechsler-Tests findet man in dem klassischen Handbuch von Matarazzo((Matarazzo, J. D. (1972) //Wechsler's Measurement and Appraisal of Adult Intelligence. 5th and enlarged Edition.// Baltimore: Williams & Wilkins)), das es auch in einer deutschen Übersetzung gibt.((Matarazzo, J.D. (1982) //Die Messung und Bewertung der Intelligenz Erwachsener nach Wechsler.// Stuttgart: Hans Huber)) Dieses Buch bezieht sich allerdings auf die Vorgängertests des HAWIE-R. Die Testhandbücher enthalten nur das zur Durchführung und Auswertung notwendige Material. Historische Hintergrundinformationen zu den Wechsler-Tests findet man in dem klassischen Handbuch von Matarazzo((Matarazzo, J. D. (1972) //Wechsler's Measurement and Appraisal of Adult Intelligence. 5th and enlarged Edition.// Baltimore: Williams & Wilkins)), das es auch in einer deutschen Übersetzung gibt.((Matarazzo, J.D. (1982) //Die Messung und Bewertung der Intelligenz Erwachsener nach Wechsler.// Stuttgart: Hans Huber)) Dieses Buch bezieht sich allerdings auf die Vorgängertests des HAWIE-R.
  
-Neuere Literatur zur klinischen Interpretation der Intelligenztestbatterien von Wechsler für Erwachsene gibt es derzeit nur auf Englisch.((Tulsky, D., Saklofske, D., Chelune, G., Heaton, R. K., Ivnik, R. J., Bornstein, E. R. et al. (2003). Clinical Interpretation of the WAIS-III and WMS-III. New York: Academic Press.)) ((Kaufman, A. S. & Lichtenberger, E. O. (1999). Essentials of WAIS-III Assessment. New York: Wiley.)) Beide beziehen sich allerdings vorwiegend auf den WAIS-III, dessen deutsche Version der [[tests:wechsler_intelligenztest_für_erwachsene|WIE]] ist.+Neuere Literatur zur klinischen Interpretation der Intelligenztestbatterien von Wechsler für Erwachsene gibt es derzeit nur auf Englisch.((Tulsky, D., Saklofske, D., Chelune, G., Heaton, R. K., Ivnik, R. J., Bornstein, E. R. et al. (2003). Clinical Interpretation of the WAIS-III and WMS-III. New York: Academic Press.)) ((Kaufman, A. S. & Lichtenberger, E. O. (1999). Essentials of WAIS-III Assessment. New York: Wiley.)) Beide beziehen sich allerdings vorwiegend auf den WAIS-III, dessen deutsche Version der [[dokumentation:wechsler_intelligenztest_für_erwachsene|WIE]] ist.
  
 ==== Zusammensetzung ==== ==== Zusammensetzung ====
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 Das Copyright für den HAWIE-R liegt beim Verlag Hans Huber in Bern. Das Copyright für den HAWIE-R liegt beim Verlag Hans Huber in Bern.
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 ===== Testdurchführung ===== ===== Testdurchführung =====
  
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 Die Flächentransformation führt im Prinzip zu einer Linearisierung der Rohwerte und damit zu einer Normalverteilung. Dies war seinerzeit beim Einschluss des HAWIE-R in TDB2 nicht weiter überprüft worden.  Die Flächentransformation führt im Prinzip zu einer Linearisierung der Rohwerte und damit zu einer Normalverteilung. Dies war seinerzeit beim Einschluss des HAWIE-R in TDB2 nicht weiter überprüft worden. 
  
-Beim WIE, bei dem die Ausgangslage im Wesentlichen die Gleiche ist wie beim HAWIE-R wurden später einzelne Verteilungen überprüft (siehe den entsprechenden [[tests:wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene#Verteilungseigenschaften|Abschnitt in der Testdokumentation für den WIE]]). Dabei wurden meistens gute Verteilungseigenschaften, manchmal aber auch bedeutendere Decken- oder Bodeneffekte gefunden. Dies könnte im Prinzip auch noch für den HAWIE-R berechnet und dargestellt werden. Angesichts der Überalterung des HAWIE-R dürfte es aber nicht mehr notwendig sein.+Beim WIE, bei dem die Ausgangslage im Wesentlichen die Gleiche ist wie beim HAWIE-R wurden später einzelne Verteilungen überprüft (siehe den entsprechenden [[tests:wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene#Verteilungseigenschaften|Abschnitt in der ausführlichen Testdokumentation für den WIE]]). Dabei wurden meistens gute Verteilungseigenschaften, manchmal aber auch bedeutendere Decken- oder Bodeneffekte gefunden. Dies könnte im Prinzip auch noch für den HAWIE-R berechnet und dargestellt werden. Angesichts der Überalterung des HAWIE-R dürfte es aber nicht mehr notwendig sein.
  
 ===== Linearisierung der Messskala ===== ===== Linearisierung der Messskala =====
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 Die Angemessenheit der erhaltenen Stichprobe ist schwer zu beurteilen. Es gibt keine anderen ähnlichen Untersuchungen mit dem HAWIE-R, die als Kontrolle herhalten könnten. Es gibt lediglich indirekte Evidenz aus Studien, die bei den gleichen Probanden oder Patienten zwei vergleichbare Intelligenztests vorgaben, und zwar einmal den HAWIE und den HAWIE-R (Satzger et al., 1996)((Satzger, W., Dragon, E. & Engel, R. R. (1996) Zur Normenäquivalenz von HAWIE-R und HAWIE. //Diagnostika, 43(2)//, 119-138)) und ein anderes Mal den WIE und den HAWIE-R (Erzberger & Engel, 2010)((Erzberger, C.S. & Engel, R. R. (2010) Zur Äquivalenz der Normen des Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene (WIE) mit denen des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene - Revision (HAWIE-R). //Zeitschrift für Neuropsychologie, 21(1)//, 25-37)). Der Hauptzweck beider Studien war es, ganz praktische Aussagen zur Normäquivalenz der jeweils untersuchten Verfahren zu machen. Damit ist aber als Nebeneffekt verknüpft, dass sich auch Aussagen über die //Unterschiede// in den Verteilungsformen der Eichuntersuchungen beider Verfahren machen lassen.  Die Angemessenheit der erhaltenen Stichprobe ist schwer zu beurteilen. Es gibt keine anderen ähnlichen Untersuchungen mit dem HAWIE-R, die als Kontrolle herhalten könnten. Es gibt lediglich indirekte Evidenz aus Studien, die bei den gleichen Probanden oder Patienten zwei vergleichbare Intelligenztests vorgaben, und zwar einmal den HAWIE und den HAWIE-R (Satzger et al., 1996)((Satzger, W., Dragon, E. & Engel, R. R. (1996) Zur Normenäquivalenz von HAWIE-R und HAWIE. //Diagnostika, 43(2)//, 119-138)) und ein anderes Mal den WIE und den HAWIE-R (Erzberger & Engel, 2010)((Erzberger, C.S. & Engel, R. R. (2010) Zur Äquivalenz der Normen des Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene (WIE) mit denen des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene - Revision (HAWIE-R). //Zeitschrift für Neuropsychologie, 21(1)//, 25-37)). Der Hauptzweck beider Studien war es, ganz praktische Aussagen zur Normäquivalenz der jeweils untersuchten Verfahren zu machen. Damit ist aber als Nebeneffekt verknüpft, dass sich auch Aussagen über die //Unterschiede// in den Verteilungsformen der Eichuntersuchungen beider Verfahren machen lassen. 
  
-{{:tests:hawie_giq_histogramm1.png|}}+{{:dokumentation:hawie_giq_histogramm1.png|}}
  
 **Abbildung 1: Verteilung der Gesamt-IQs der 88 Personen aus der Studie von Satzger et al. (1996) im HAWIE** **Abbildung 1: Verteilung der Gesamt-IQs der 88 Personen aus der Studie von Satzger et al. (1996) im HAWIE**
  
-{{:tests:hawier_giq_histogramm1.png|}}+{{:dokumentation:hawier_giq_histogramm1.png|}}
  
 **Abbildung 2: Verteilung der Gesamt-IQs der 88 Personen aus der Studie von Satzger et al. (1996) im HAWIE-R** **Abbildung 2: Verteilung der Gesamt-IQs der 88 Personen aus der Studie von Satzger et al. (1996) im HAWIE-R**
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 Im HAWIE-R **(Abbildung 2)** zeigte sich in der Untersuchung von Satzger et al. (1996) eine wesentlich breitere Streuung der Intelligenzquotienten als im HAWIE **(Abbildung 1)**. Im HAWIE-R **(Abbildung 2)** zeigte sich in der Untersuchung von Satzger et al. (1996) eine wesentlich breitere Streuung der Intelligenzquotienten als im HAWIE **(Abbildung 1)**.
  
-{{:tests:hawie_hawier_giq_streudiagramm1.png|}}+{{:dokumentation:hawie_hawier_giq_streudiagramm1.png|}}
  
 **Abbildung 3: Streudiagramm der HAWIE- und HAWIE-R-Gesamt-IQs der 88 Personen aus der Studie von Satzger et al. (1996)** **Abbildung 3: Streudiagramm der HAWIE- und HAWIE-R-Gesamt-IQs der 88 Personen aus der Studie von Satzger et al. (1996)**
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 Es ist nun auf Grund dieser Daten nicht zu sagen, welche der beiden Normuntersuchungen (HAWIE oder HAWIE-R) "besser" oder "zufälliger" war. Die einzige Evidenz, die dafür spricht, dass eher die HAWIE-R-Normierungsstichprobe etwas anomal (leptokurtisch oder steilgipflig) ausfiel, liegt darin, dass sich in der oben erwähnten zweiten Untersuchung beim Vergleich von WIE und HAWIE-R ebenfalls die (deutlich) breitere Verteilung im HAWIE-R im Vergleich zum WIE fand (Daten bei Erzberger & Engel, 2010).((Erzberger, C.S. & Engel, R. R. (2010) Zur Äquivalenz der Normen des Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene (WIE) mit denen des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene - Revision (HAWIE-R). //Zeitschrift für Neuropsychologie, 21(1)//, 25-37))  Es ist nun auf Grund dieser Daten nicht zu sagen, welche der beiden Normuntersuchungen (HAWIE oder HAWIE-R) "besser" oder "zufälliger" war. Die einzige Evidenz, die dafür spricht, dass eher die HAWIE-R-Normierungsstichprobe etwas anomal (leptokurtisch oder steilgipflig) ausfiel, liegt darin, dass sich in der oben erwähnten zweiten Untersuchung beim Vergleich von WIE und HAWIE-R ebenfalls die (deutlich) breitere Verteilung im HAWIE-R im Vergleich zum WIE fand (Daten bei Erzberger & Engel, 2010).((Erzberger, C.S. & Engel, R. R. (2010) Zur Äquivalenz der Normen des Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene (WIE) mit denen des Hamburg-Wechsler-Intelligenztests für Erwachsene - Revision (HAWIE-R). //Zeitschrift für Neuropsychologie, 21(1)//, 25-37)) 
  
-In diese Daten gehen allerdings auch die [[tests:hamburg-wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene#Behandlung der Intelligenzquotienten|Skalierungseffekte]] für das Globalmaß Gesamt-IQ ein, die im HAWIE-R mit seinen geringen Subtestinterkorrelationen besonders stark ausfallen und deshalb ebenfalls solche Effekte erzeugen. Solange die Angemessenheit einer Normierungsstichprobe nicht durch andere Daten verlässlicher gezeigt wird, als dies im Allgemeinen der Fall ist, sind wir bestenfalls auf solche indirekten Schlüsse angewiesen, die leider nicht viel Klarheit bringen. +In diese Daten gehen allerdings auch die [[dokumentation:hamburg-wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene#Behandlung der Intelligenzquotienten|Skalierungseffekte]] für das Globalmaß Gesamt-IQ ein, die im HAWIE-R mit seinen geringen Subtestinterkorrelationen besonders stark ausfallen und deshalb ebenfalls solche Effekte erzeugen. Solange die Angemessenheit einer Normierungsstichprobe nicht durch andere Daten verlässlicher gezeigt wird, als dies im Allgemeinen der Fall ist, sind wir bestenfalls auf solche indirekten Schlüsse angewiesen, die leider nicht viel Klarheit bringen. 
  
 ===== Leistungs- und Altersnormen der Subtests im Überblick ===== ===== Leistungs- und Altersnormen der Subtests im Überblick =====
  
-Die Abbildungen in diesem Abschnitt zeigen zusammenfassend die Leistungs- und Altersnormen der HAWIE-Subtests, so wie sie in TDB2Online erscheinen. Besonderheiten werden jeweils kommentiert.  +siehe ausführliche [[tests:hamburg-wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene|Testdokumentation]]
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-==== AW ==== +
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-Abbildung 4 zeigt in einer zusammengesetzten Grafik den Zusammenhang von Roh- und Leistungswerten sowie den Einfluss des Alters auf die (durchschnittlichen) Leistungen für den Wortschatztest des HAWIE-R. Auf dieser und allen folgenden Abbildungen markieren die senkrechten Striche die Leistungswerte von 40 bis 145. Auf der schwarzen waagerechten Linie sind die Rohwerte lagerichtig eingetragen. Die abwechselnd rot und blau eingezeichneten Linien enthalten die Normgrenzen für alle Altersgruppen in der Übersicht. Die fünf Markierungen auf jeder Linie stehen für die Prozentränge 2.5, 16, 50, 84 und 97.5. Jeweils eine solche Linie, nämlich die, die der Altersgruppe des Probanden entspricht, wird (in anderer Form) im TDB2Online-Profilblatt eingezeichnet, um bei der individuellen Interpretation der Testergebnisse zu helfen. Weil die Leistungswerte aus den Ergebnissen der 20-34-jährigen jungen Erwachsenen errechnet werden, umschließen die 5 Markierungen der Altersgruppen 20-24 und 25-34 immer die Leistungswerte 70, 85, 100, 115 und 130.  +
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-{{:tests:hawie-r_aw_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 4: Leistungswerte im Subtest Allgemeines Wissen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (siehe Text)** +
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-Wir sehen auf **Abbildung 4**, dass der altersassoziierte Leistungsabfall bei den verbalen Tests im HAWIE-R nicht stark ist. Die Leistung der 70-74-jährigen liegt nicht mal eine drittel Standardabweichung unterhalb der Leistung der jungen Erwachsenen.  +
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-Man sieht auch, dass der Auflösungsgrad des Subtests im oberen Bereich nicht hoch ist, hier erhöht sich der Leistungswert um 15 Punkte (immerhin eine ganze Standardabweichung), wenn nur zwei Aufgaben mehr gelöst werden (zum Beispiel 22 statt 20).  +
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-==== ZN ==== +
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-{{:tests:hawie-r_zn_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 5: Leistungswerte im Subtest Zahlennachsprechen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Der Subtest Zahlennachsprechen ist messtechnisch sehr gut, ähnlich wie auch beim WIE. Man sollte zur Kenntnis nehmen, dass der altersassoziierte Leistungsverlust auch bei diesem Subtest nicht hoch ist. Das ist häufig nicht recht im Bewusstsein, weil das Zahlennachsprechen irgendwie mit dem Gedächtnis assoziiert wird. Damit hat es nicht viel zu tun. +
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-==== WT ==== +
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-{{:tests:hawie-r_wt_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 6: Leistungswerte im Wortschatztest mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Der Wortschatztest gleicht in seinem Altersverlauf bis in Details hinein dem Allgemeinen Wissen. Die Auflösung ist etwas höher, auch im oberen Leistungsbereich. Der Wortschatztest galt mit Recht immer als der beste Subtest des Verbalteils. +
-==== RD ==== +
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-{{:tests:hawie-r_rd_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 7: Leistungswerte im Subtest Rechnerisches Denken mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Auch der Subtest Rechnerisches Denken hat eine schlechte Auflösung im oberen Leistungsbereich, zusätzlich ist der höchste erreichbare Leistungswert mit 133 (für 19 Rohwerte) zu niedrig. Auch beim Rechnerischen Denken ist der altersassoziierte Leistungsverlust eher gering.  +
-==== AV ==== +
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-{{:tests:hawie-r_av_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 8: Leistungswerte im Subtest Allgemeines Verständnis mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Im Subtest Allgemeines Verständnis wird die höchste Durchschnittsleistung von den 50-jährigen erreicht. Betrachtet man nur die Subpopulation der untersten 2,5 Prozent der Verteilung, dann steigt deren Leistung kontinuierlich mit zunehmendem Alter bis in die 60er und 70er Jahre hinein. Man mag dies je nach Standpunkt für mangelnde Altersfairness des Tests halten oder für einen Beleg dafür, dass der Subtest das misst, was er messen soll. +
-==== GF ==== +
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-{{:tests:hawie-r_gf_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 9: Leistungswerte im Subtest Gemeinsamkeitenfinden mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Der Subtest Gemeinsamkeitenfinden differenziert im oberen Bereich nicht sonderlich gut, die Testdecke liegt bei einem Leistungswert von 136,5 (32 Rohpunkte). Im unteren Leistungsbereich ist die Auflösung dagegen recht fein.  +
-==== BE ==== +
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-{{:tests:hawie-r_be_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 10: Leistungswerte im Subtest Bilderergänzen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Die fünf Subtests des Handlungsteils weisen in den oberen Altersbereichen mehr oder weniger starke Bodeneffekte auf. Diese sind teilweise durch die Aufgabenstruktur der Tests bedingt (zum Beispiel beim Bilderordnen und Figurenlegen), teilweise aber auch das Ergebnis der Leistungswertberechnung in Kombination mit den randbegrenzenden Skalierungsartefakten der Flächentransformation. Beim WIE, der später in TDB2Online eingeschlossen wurde, wurde das durch Extrapolationen an den Rändern der Verteilung etwas besser gelöst, beim HAWIE-R lohnt sich die neuerliche Arbeit daran nicht mehr. Man sieht die Artefakte an der Kombination von hoher Rohwertdichte im unteren Bereich und gleichzeitig eingeschränkter Varianz der leistungsschwächeren Altersgruppen. +
- +
-Auch der Subtest Bilderergänzen misst im unteren Leistungsbereich deutlich differenzierter als im oberen, wo zwei Rohpunkte über Leistungsunterschiede von mehr als einer Standardabweichung entscheiden. Die Testdecke ist bei einem Leistungswert von 132 (17 Rohpunkte) erreicht.  +
-==== BO ==== +
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-{{:tests:hawie-r_bo_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 11: Leistungswerte im Subtest Bilderordnen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Der Subtest Bilderordnen differenziert gut im oberen Leistungsbereich und in der Mitte, hat aber zu wenig leichte Items, die auch für ältere Personen geeignet sind. Bei älteren kommte es zu massiven Bodeneffekten. Möglicherweise sind auch die Zeitgrenzen für alte Personen zu rigide. Die Skalierung von Rohpunkten, die sich teilweise aus Geschwindigkeitsmerkmalen und teilweise aus solchen der Lösungsqualität zusammensetzen, ist über größere Altersspannen wohl besonders schwer zu beherrschen. +
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-Manche diese Probleme sind übrigens im WIE durchaus besser gelöst. +
-==== MT ==== +
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-{{:tests:hawie-r_mt_altersnormen.png|}} +
- +
-**Abbildung 12: Leistungswerte im Mosaiktest mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Hier verweisen wir auf das zum Bilderergänzen Gesagte. Ansonsten fehlt dieser Version des Mosaiktests die schwere Aufgabe, die im WIE hinzukam, der Rest ist ohnehin gut. Der altersassoziierte Leistungsverlust ist hoch.  +
-==== FL ==== +
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-{{:tests:hawie-r_fl_altersnormen.png|}} +
- +
-**Abbildung 13: Leistungswerte im Subtest Figurenlegen mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Mit nur vier Testaufgaben ist das Figurenlegen einfach zu knapp bemessen. Auch wenn sich rechnerisch damit 41 Rohpunkte gewinnen lassen, so ist deren serielle Unabhängigkeit doch sicher verletzt. Das Figurenlegen zählt nicht zu den besseren Subtests und gehört mit Recht im WIE nicht mehr zu den Standardsubtests.   +
-==== ZS ==== +
- +
-{{:tests:hawie-r_zs_altersnormen.png|}} +
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-**Abbildung 5: Leistungswerte im Zahlen-Symbol-Test mit Rohwerten und Altersnormgrenzen (Erklärung der Abbildung im Text zu Abbildung 4)** +
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-Es gibt die schon erwähnten massiven Bodeneffekte bei den höheren Altersgruppen. Ansonsten ist auch hier die verlängerte Version des Subtests im WIE deutlich besser.+
  
 ===== Leistungs- und Altersnormen der IQs ===== ===== Leistungs- und Altersnormen der IQs =====
  • dokumentation/hamburg-wechsler_intelligenztest_fuer_erwachsene.1628268222.txt.gz
  • Zuletzt geändert: 2021/08/06 16:43
  • von res